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Nr. 7072822
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Strategiepapier 1

Wachstum und Investitionen ermöglichen

I. Wachstum und Investitionen ermöglichen

In unserem Bundesland konzentrieren sich die zentralen Herausforderungen wie unter einem Brennglas: Als das Land der energieintensiven Industrie, als Logistikdrehscheibe in Europa mit einer hoch belasteten Infrastruktur und als größtes Bundesland mit einer rapiden alternden Bevölkerung steckt Nordrhein-Westfalen seit Jahren wirtschaftlich fest und droht weiter abzurutschen.
Seit sechs Jahren hält der Abschwung an. Eine Trendumkehr ist auch im Jahr 2026 nicht in Sicht. Teile der Industrie, des Handels, der Bauwirtschaft und zunehmend auch der investitionsnahen Dienstleister stehen unter erheblichem Druck. Allein die NRW-Industrie verliert jeden Monat 3.000 Arbeitsplätze (Quelle: IW). Die Arbeitslosenquote erreicht mit 7,8 Prozent einen Stand wie seit rund zehn Jahren nicht mehr. Am Ausbildungsmarkt sinkt die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen erstmals seit 2014 wieder unter die Marke von 100.000 Stellen.
Seit Jahren liegt die Investitionsquote in NRW weit hinter dem Bundesschnitt. Die Anlageinvestitionen können den Kapitalstock NRWs nicht erhalten (Quelle:Jacoby).
Die Maßnahmen der Bundregierung sorgen kaum für Entlastung. Der Industriestrompreis hilft wenigen Branchen, die mittelständische Industrie bleibt außen vor. Hohe Energie- und Arbeitskosten schwächen die internationale Wettbewerbssituation. Viele auch mittelständische Unternehmen treffen Entscheidungen gegen den Standort (Quelle: Konjunkturumfrage IHK NRW).
NRW braucht Wachstum. Eine dauerhaft steigende Wertschöpfung ist die Grundlage für Wohlstand und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Gerade bei einer alternden Bevölkerung müssen Produktivität, Investitionen und Innovationen zulegen, wenn Einkommen und Lebensstandard gesichert werden sollen. Eine stärkere Wirtschaft verbreitert zugleich die Steuerbasis und schafft mehr Spielraum für Infrastruktur, Bildung und Sicherheit, ohne Unternehmen und kommende Generationen immer stärker zu belasten. Dafür muss NRW wieder ein Standort sein, an dem Unternehmen gerne investieren, wachsen und neue Wertschöpfung schaffen.
Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Kosten, eine investitionsfreundliche Steuer- und Abgabenstruktur und eine Politik, die sich handlungsfähig auf das Wesentliche konzentrieren. Damit Zukunft in Form von neuen Produktionskapazitäten, modernen Dienstleistungen, Rechenzentren und mittelständische Innovationen hier im Land entstehen, braucht NRW ein neues Geschäftsmodell, dass auf Wachstum, unternehmerische Initiative und eine starke mittelständische Basis ausgerichtet ist.
Die kommende Landesregierung sollte durch eine Wachstums- und Mittelstandsagenda Orientierung bieten, damit ein neues Geschäftsmodell entstehen kann. Die Agenda sollte eine ehrliche Standortanalyse, ausgerichtet auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, an den Anfang stellen. In Abstimmung mit der Wirtschaft kann die Ausrichtung auf zukünftige Wachstumsfelder gelingen. In einem Dialog zur Standortstärkung sollte der Prozess schon vor der Landtagswahl beginnen, damit die Agenda belastbar und leitend für die kommende Landesregierung werden kann. Die Wachstums- und Mittelstandsagenda setzt ein klares Signal, dass das Land nicht bereit ist, den schleichenden Rückgang hinzunehmen und sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen.


II. Hebel einer Wachstums- und Mittelstandsagenda für NRW

Eine Wachstums- und Mittelstandsagenda für Nordrhein-Westfalen erfordert eine klare Ausrichtung der Landespolitik auf wettbewerbsfähige Wachstums- und Investitionsbedingungen. Begleitet werden muss die Agenda mit einer gezielten landesweiten Kommunikations- und Informationskampagne, die konkrete Entlastungen und Umsetzungsfortschritte transparent macht. Als Vorbild kann der Masterplan Mittelstand des Landes Baden-Württembergs dienen (Masterplan Mittelstand).
Das Ziel der kommenden Landesregierung muss es sein, das Vertrauen der Unternehmen in die politische Handlungsfähigkeit des Landes zu stärken, Planungssicherheit zu schaffen und die Investitionsbereitschaft gezielt zu fördern. Dies beinhaltet den verlässlichen Einsatz auf Bundesebene für wettbewerbsfähige Energiepreise, Versorgungssicherheit, weitergehende Entlastungen bei Steuern und Abgaben sowie für eine ambitionierte Reform der Unternehmensbesteuerung und der Kommunalfinanzierung. Das beinhaltet ebenso eine klare Ausrichtung auf die europäische Integration Nordrhein-Westfalens und die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern. Stärker als bisher, muss die Landespolitik auf die EU einwirken, um die Besonderheiten der NRW-Wirtschaft in die europäische Regulierung einzubringen.
Die Wachstums- und Mittelstandsagenda für NRW sollte bei folgenden Hebeln sowie den weiteren Leitlinien von IHK NRW zur Landtagswahl 2027 ansetzen:

III. Konkrete Ansatzpunkte einer Wachstums- und Mittelstandsagenda für NRW


IV. Auftrag für die kommende Landesregierung

Die kommende Landesregierung sollte die Wachstums- und Mittelstandsagenda als verbindlichen Standortkompass für die Legislaturperiode 2027 bis 2032 beschließen. Ziel ist eine Investitionswende für NRW: mehr private Investitionen, stärkere mittelständische Wertschöpfungsketten, verlässliche Energieversorgung, bessere Kapitalzugänge, verfügbare Flächen und leistungsfähige Infrastruktur.
Angesichts knapper Haushaltsmittel muss die Agenda vor allem auf Priorisierung, Umschichtung, Koordination, Risikoentlastung und bessere Nutzung bestehender Instrumente setzen. Neue Ausgabenprogramme sollten nur dort entstehen, wo sie nachweislich private Investitionen auslösen. Entscheidend ist nicht die Zahl neuer Programme, sondern die klare Ausrichtung der Landespolitik auf Wachstum, Investitionen und Standortvertrauen.
Eine verbindliche Wachstums- und Mittelstandsagenda ist keine weitere unverbindliche Strategie, sondern beschreibt konkrete Maßnahmen, um die wirtschaftliche Dynamik des Standorts NRW nachhaltig zu stärken.
Die Agenda fokussiert sich auf landeseigene Handlungsmöglichkeiten – insbesondere auf wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, Investitionen sowie effizientere Verfahren. Ergänzend werden klare Handlungsbedarfe gegenüber dem Bund und der Europäischen Union definiert.
Der Prozess beginnt unmittelbar. Erste Maßnahmen sollten bereits im Koalitionsvertrag aufgenommen und im ersten Halbjahr 2027 initiiert werden. Die weitere Umsetzung der Agenda wird durch eine ressortübergreifende politische Steuerung sichergestellt. Viele Ansatzpunkte liegen seit langem auf dem Tisch. Bei der Ausgestaltung sollte die Wirtschaft frühzeitig und systematisch eingebunden werden.
Durch eine landesweite Kommunikations- und Informationskampagne wird das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort gestärkt und positive Impulse für Investitionen und Wachstum gestärkt.
Matthias Mainz
Geschäftsführer Wirtschaftspolitik und Digitalisierung
IHK NRW e. V.
Simon Rodenbach
Politikreferent
IHK NRW e. V.