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Innovationsbeschleuniger für NRW
I. Neuausrichtung der NRW-Innovationspolitik
Nordrhein-Westfalen verfügt über starke Forschung, industrielle Anwendungskompetenz und unternehmerische Erfahrung – zu oft aber fehlt der Schritt von der guten Idee zur breiten Wertschöpfung. Gerade für ein Industrieland wie NRW ist das ein zentrales Problem: Ein neues Geschäftsmodell für das Land wird nur gelingen, wenn Innovationen schneller in Gründungen, marktfähige Anwendungen und produktive Prozesse überführt werden.
Gleichzeitig steht NRW bei Forschung und Entwicklung unter Druck. Mit einer FuE-Quote von 2,3 Prozent des BIP bleibt das Land deutlich hinter dem deutschen Innovationsziel von 3,5 Prozent zurück (Bundesbericht Forschung & Innovationen 2025). Zugleich zeigt sich am Beispiel der Künstlichen Intelligenz, wie schnell technologische Sprünge heute in die Breite wirken können: Nach IHK-NRW-Angaben setzen bereits 39 Prozent der Unternehmen KI-Tools ein, weitere 30 Prozent planen den Einsatz zeitnah (DIHK-Umfrage: Digitalisierung 2026). Kaum eine andere Technologie hat sich in so kurzer Zeit so dynamisch verbreitet. Weitere Schlüsseltechnologien – von Quantentechnologien bis zur Fusion – stehen bereits in den Startlöchern.
Die europäische Innovationspolitik und damit auch die NRW-Innovationspolitik stehen vor einem Umbruch. Die EU plant einen stärkeren Fokus auf Exzellenz und Wettbewerbsfähigkeit, Skalierung, einfachere Förderzugänge und schnellere Anwendung, etwa über den geplanten European Competitiveness Fund (ECF) und den angekündigten European Innovation Act. Die Kohäsionspolitik und damit die bisherige NRW-Innovationspolitik stehen auf dem Prüfstand (IHK NRW zur Neuausrichtung der EU-Förderung). NRW muss seine Innovationspolitik konsequent neu auf einen Innovations- und Produktivitätsschub ausrichten.
Dafür braucht das Land einen Innovationsbeschleuniger mit Vorrang für Innovationen und einer wertschöpfungszentrierten Organisationsstruktur, damit aus guter Forschung schneller Gründungen, marktfähige Anwendungen und neue Wertschöpfung entstehen.
II. Hebel für eine anwendungsorientierte Innovations- und Produktivitätspolitik
NRW braucht eine anwendungsorientierte Innovations- und Produktivitätspolitik mit vier Hebeln – Diffusion, Skalierung, Erprobung und Nachfrage.
- 1. Diffusion in den Mittelstand
Innovationen müssen schneller in die Breite des Mittelstands gelangen. Produktivitätsfortschritte entstehen vor allem dann, wenn neue Technologien und Verfahren flächendeckend in Unternehmen angewendet werden (EFI-Gutachten 2026). Nordrhein-Westfalen wird nicht vor allem dann produktiver, wenn einige wenige Leuchtturmprojekte entstehen, sondern wenn breite Teile der Wirtschaft, von Fertigung- und Produktion bis zu Dienstleistungen, digitale und automatisierte Verfahren schneller übernehmen.Bestehende Programme wie MID, die Digital-Hubs, European Digital Innovation Hubs, Transformationsberatungen und branchenspezifische Transferstrukturen sollten stärker gebündelt und effizienter auf messbare Effekte ausgerichtet werden: Durchlaufzeiten, Ausschussquoten, Energieeinsatz, Fachkräfteersatz durch Automatisierung, digitale Vertriebsquoten, KI-Nutzung in Kernprozessen.Zugleich muss die Diffusion im Mittelstand auch Produkt- und Substitutionsinnovationen stärker unterstützen, damit Unternehmen neue regulatorische Anforderungen, veränderte Märkte und technologische Umbrüche – etwa beim Ersatz kritischer Stoffe – schneller in marktfähige Lösungen übersetzen können. Förderlogik wäre dann nicht nur „Innovation um der Innovation willen“, sondern Innovation mit Produktivitäts- und Marktziel. Zentral ist ein an den unternehmerischen, nicht nur den wissenschaftlichen Erfordernissen ausgerichteter Innovationsbegriff.
- 2. Skalierung von Start-ups, Deeptech und neuen Geschäftsmodellen
NRW muss bessere Bedingungen schaffen, damit aus Ideen und Gründungen wachstumsstarke Unternehmen werden. Der entscheidende Engpass liegt nicht in der Entstehung von Innovationen, sondern in ihrer Skalierung. NRW hat hier bereits sichtbare Fortschritte gemacht. Laut NRW Startup Report 2025 stieg das Venture-Capital-Volumen für NRW-Start-ups 2024 um 58 Prozent; KI war der kapitalstärkste Sektor. Genau hier sollte die Landespolitik ansetzen: nicht mit neuen Einzelprogrammen, sondern mit dem weiteren Aufbau einer ganzheitlichen Scale-up-Architektur für NRW. Das heißt: mehr Co-Investment mit privaten Fonds, stärkere Anschlussfinanzierung für Deeptech-Modelle und Sprunginnovationen, bessere Übergänge aus Hochschulen in die Wachstumsphase und systematische Pilotkundenprogramme mit Industrie und öffentlicher Hand. Der Engpass liegt oft nicht im Seed-Stadium, sondern zwischen Pilot, erster industrieller Anwendung und großer Skalierung.Die bestehenden Digital-Hub-Strukturen haben in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass NRW heute über ein im bundesweiten Maßstab leistungsfähiges Start-up- und Innovationsökosystem verfügt. Programme wie Scale-up.NRW oder das Future Tech Fest zeigen, dass auf Basis der Digital-Hubs bereits erfolgreiche Plattformen für Wachstum, Vernetzung und Skalierung entstanden sind. Die Aufgabe der kommenden Jahre wird darin bestehen, diese Stärken noch stärker auf Produktivität, industrielle Anwendung und Breitenwirkung im Mittelstand auszurichten und international wettbewerbsfähig weiterzuentwickeln.
- 3. Erprobung unter Realbedingungen
Neue Technologien müssen unter realen Bedingungen schneller getestet und in Anwendung gebracht werden. Dafür braucht es mehr Spielräume, Tempo und verlässliche Rahmenbedingungen für Erprobung und Transfer. Reallabore können Innovationen erleichtern, regulatorisches Lernen ermöglichen und den Transfer beschleunigen (EFI-Gutachten 2026). Nicht-regulatives Lernen, wissenschaftliche Begleitforschung und die frühzeitige Mitgestaltung von Normen und Standards sind zentral, damit Reallabore nicht isolierte Experimente bleiben. Entscheidend ist, Reallabore nicht nur zu fördern, sondern mit klaren Fast-Track-Regeln zu verbinden: eine feste Anlaufstelle, standardisierte Verfahren, befristete Experimentierklauseln, wissenschaftliches Monitoring und einen Mechanismus, mit dem erfolgreiche Erkenntnisse rasch in Förderprogramme, Standards und Verwaltungspraxis überführt werden.
- 4. Öffentliche Nachfrage als Innovationsmotor
Öffentliche und private Nachfrage sollten stärker als Innovationsmotor genutzt werden. Wer Innovationen schneller in den Markt bringen will, muss auch Märkte schaffen (BCG u. UnternehmerTUM 2026: Roadmap zur wettbewerbsfähigen Hightech-Nation). Für NRW heißt das: Das Land und seine nachgeordneten Bereiche sollten viel systematischer als Erstkunden für innovative Lösungen auftreten. Entscheidend ist dabei ein technologieoffener, wettbewerblicher und strikt bedarfsorientierter Ansatz: Nicht der Staat soll Innovationen dirigieren, sondern problemorientiert Nachfrage formulieren und damit marktfähigen Lösungen den Zugang erleichtern. Das hätte zwei Effekte zugleich: Die öffentliche Hand modernisiert sich selbst, und innovative Anbieter bekommen Referenzmärkte in NRW. Gerade für Start-ups und KMU ist das oft wertvoller als ein weiterer kleiner Zuschuss.Die Basis von Innovationen in Unternehmen sind neben kreativen Ideen, Forschung und Entwicklung, und vor allem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Diese wird jedoch zunehmend durch sich verändernde Märkte und wachsende Konkurrenz ausgebremst. Zusätzlich wachsen die Kosten durch die energetische Transformation, geopolitische Veränderungen, Kriege, Inflationsdruck und wachsende Arbeitskosten. In zunehmend volatilen Märkten können Unternehmen nicht mehr sukzessive wachsen, sondern müssen sprunghaft skalieren. Immer seltener gelingt es, Innovationen und Innovationsaktivitäten aus dem Kerngeschäft zu finanzieren. Höchste Priorität muss daher haben, die Unternehmen in den Kernmärkten zu stärken bspw. durch Bürokratieabbau, Steuersenkungen oder beschleunigten Planungs- und Genehmigungsverfahren.
III. Ableitung landespolitische Architektur: Innovationsbeschleuniger NRW
Daraus lässt sich eine konkrete landespolitische Architektur ableiten: NRW sollte als Hebelprojekt neben einer neuen allgemeinen Innovationsstrategie einen „Innovationsbeschleuniger NRW“ etablieren.
Das wäre ein geeignetes Umsetzungsinstrument mit wenigen messbaren Zielen: mehr KI- und Automatisierungsadoption im Mittelstand, schnellere Skalierung forschungsnaher Gründungen, mehr technologieoffene Reallabore, mehr innovationsorientierte öffentliche Beschaffung und weniger Zeit von der Förderung bis zur Anwendung. Die Wirkung müsste jährlich anhand harter Kennzahlen überprüft werden: Zahl produktiver KI-Anwendungen in KMU, Anteil automatisierter Kernprozesse, Wachstumsfinanzierungen in Deeptech, Dauer von Genehmigungs- und Förderverfahren, Anteil innovativer Vergaben, Zahl erfolgreicher Reallabor-Überführungen in den Regelbetrieb.
Konkrete Instrumente:
- Produktivitätsscheck NRW
- Reallabor-Fast-Track NRW
- Scale-up-Fonds NRW
- Innovationsomnibus mit One-Stop-Shop Innovation NRW
- Vergabe Lab NRW
- KI-Transferoffensive NRW
Im Einzelnen:
- 1. „Produktivitätsscheck NRW“ für Mittelstand, Industrie und Handwerk
Das Land sollte das bestehende MID-Programm zu einem deutlich sichtbaren Produktivitätsscheck NRW weiterentwickeln. Anders als klassische Digitalförderung sollte das Instrument nicht nur die Anschaffung oder Beratung fördern, sondern klar auf messbare Produktivitäts- und Markteffekte zielen: Automatisierung, KI-Einsatz, digitale Prozessketten, Energie- und Materialeffizienz, Reduktion von Stillständen, schnellere Durchlaufzeiten, Entlastung von Fachkräften sowie produkt- und substitutionsbezogene Innovationsschritte, mit denen Unternehmen auf neue regulatorische Anforderungen, technologische Umbrüche und veränderte Märkte reagieren können. Politisch stark wäre ein einfaches Modell mit wenigen Standardbausteinen: „Check – Beratung – Umsetzung – Qualifizierung“. Das bestehende MID-Programm fördert heute bereits externe Expertise, Cybersicherheit und die projektbezogene Beschäftigung von Hochschulabsolventen; genau darauf ließe sich aufbauen, aber mit einem klaren Fokus auf Produktivität, Marktfähigkeit und Anpassungsinnovation. Mit dem Förderangebot Produktives.NRW existiert bereits eine passende Blaupause, die sich für ein auf den Mittelstand zugeschnittenes Programm nutzen lässt. Insbesondere der Mittelstand ist auf Planbarkeit der Förderinstrumente und eine stärkere Orientierung an den betrieblichen Abläufen angewiesen.Unsere Forderung:„Neue produktive KI- oder Automatisierungsschritte im Mittelstand brauchen eine passende Anschubfinanzierung.“Daraus lässt sich eine weitere Forderung ableiten: ein landesweiter Produktivitätsscheck mit Fast-Track-Bewilligung binnen 30 Tagen.
- 2. „Reallabor-Programm NRW mit Fast Track“
Wenn Zukunftstechnologien schneller in die Anwendung kommen sollen, braucht NRW einen verbindlichen Rahmen für Erprobung. Statt nur allgemeiner Projektförderung sollte das Land ein Reallabor-Programm NRW mit einem klaren politischen Versprechen schaffen: schnellere Genehmigung, feste Ansprechpartner, zeitlich befristete Experimentierklauseln, wissenschaftliche Begleitung und verbindliche Überführung erfolgreicher Modelle in die Breite.Entscheidend ist ein einheitlicher Rechts- und Verfahrensrahmen, damit Reallabore nicht Ausnahmefälle bleiben. Voraussetzung ist hierfür entweder die zügige Nutzung der neuen Möglichkeiten des noch in Abstimmung befindlichen Bundesgesetzes oder eine eigene landesgesetzliche Grundlage.Unsere Forderung:„NRW braucht einen Fast Track vom Labor in die Anwendung.“
- 3. „Scale-up-Fonds NRW“ für technologieintensive und industrielle Ausgründungen
NRW hat mit NRW.Venture und dem NRW.Venture EU Tech&Scale Fund bereits belastbare Instrumente, die gemeinsam mit privaten Co-Investoren über mehrere Finanzierungsrunden bis zu 15 Millionen Euro Eigenkapital bereitstellen können. Das Land sollte NRW.Venture-Instrumente weiter zu einem Scale-up-Fonds NRW ausbauen, der den Sprung vom Piloten und erster Markteinführung in industrielle Skalierung absichert. Denn der eigentliche Engpass liegt oft nicht in der frühen Idee, sondern in der Wachstumsphase technologieintensiver Unternehmen. Der Fonds sollte zweistufig ausgebaut werden: Erstens braucht NRW ein starkes Co-Investment-Fenster, mit dem die NRW.BANK zusammen mit privaten Investoren größere Finanzierungsrunden für wachstumsstarke Technologieunternehmen absichert. Zweitens braucht NRW ein Anlegerfenster, über das mehr privates Kapital, z.B. von Versicherungen, Versorgungswerken und anderen institutionellen Investoren, in solche Wachstumsfinanzierungen gelenkt werden kann. Ziel muss sein, dass 1 Euro öffentliches bzw. NRW.BANK-gebundenes Ankerkapital 3 bis 5 Euro Wachstumskapital in NRW auslöst (vgl. KFW Capital 2025). Auf dieser Basis könnte aus der bestehenden öffentlichen Grundlage mittelfristig ein Finanzierungsvolumen von 600 Millionen bis1 Milliarde Euro für technologieintensive und industrielle Ausgründungen entstehen. Die Rolle des Landes wäre dabei, über die NRW.BANK eine verlässliche Plattform zu schaffen, Risiken klug zu teilen und sich auf Bundes- und EU-Ebene für investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen einzusetzen. Ein solcher Fonds sollte gezielt dort ansetzen, wo zentrale Innovationsschwerpunkte in NRW identifiziert worden sind (vgl. Prognos Innovationsstudie NRW): Next Gen Computing, KI und smarte Systeme, Verteidigung und Aerospace, strategische Autonomie, Life Science, klimaneutrale und zirkuläre Wirtschaft sowie vernetzte und nachhaltige Mobilität.Unsere Forderung:„NRW braucht mehr Unicorn-Potenzial und weniger Finanzierungsabbrüche zwischen Prototyp und Fabrikhalle.“
- 4. „Innovations-Omnibus mit One-Stop-Shop Innovation NRW“
Aus Unternehmenssicht scheitert vieles nicht an fehlenden Programmen, sondern an Unübersichtlichkeit, Förderkleinteiligkeit und langen Wegen. Deshalb sollte NRW seine bestehenden Innovations-, Transfer- und Förderangebote über einen Innovations-Omnibus neu strukturieren und in einem One-Stop-Shop Innovation NRW bündeln. Das wäre keine neue Bürokratie, sondern ein sichtbares Eingangstor: ein Antrag, eine Lotsin, eine Förderlogik. Unternehmen müssten nicht mehr wissen, an wen sie sich wenden können, sie schildern im One-Stop ihr Vorhaben und dieser organisiert den Weg.Dass NRW bereits digitale Eingangstore und Vernetzungsplattformen besitzt, macht diese Forderung besonders glaubwürdig; sie ist eher eine Frage der politischen Priorität als der Neuerfindung.Unsere Forderung:„Ein Vorhaben, ein Zugang, eine Verantwortung.“
- 5. „Vergabe Lab NRW” für innovative öffentliche Beschaffung
Ein wichtiger Hebel für mehr Innovation in NRW ist eine strategischere öffentliche Beschaffung. Maßgeblich ist dabei ein technologieoffener, wettbewerblicher und strikt bedarfsorientierter Ansatz: Öffentliche Beschaffung soll keine Technologien vorgeben, sondern konkrete Probleme und Bedarfe definieren und den Zugang marktfähiger Lösungen erleichtern. Die föderale Modernisierungsagenda von Bund und Ländern sieht den Aufbau einer zentralen Vergabeplattform vor. Der Aufbau der Plattform sollte genutzt werden, um für alle öffentlichen Auftraggeber im Land eine praxisorientierte Kompetenzplattform für innovative Beschaffung nach dem Vorbild des Kompetenzzentrums innovative Beschaffung (KOINNO) aufzubauen. Kommunen, Hochschulen, Kliniken und Behörden sollten mit einem Beratungsangebot, Musterunterlagen, Qualifizierung, Markterkundung und Verfahrensbegleitung bei innovationsfreundlichen Vergaben unterstützt werden.Ergänzend sollte das Land für klar definierte öffentliche Bedarfe standardisierte Challenge-Verfahren ermöglichen und je nach Reifegrad der Lösung auf reguläre Vergaben, Pilotbudgets, vorkommerzielle Beschaffung oder Innovationspartnerschaften setzen. Flankierend sollte NRW eine Anschubfinanzierung für das fachlich und vergaberechtlich anspruchsvolle Vorfeld innovativer Vergaben vorsehen, etwa für Markterkundung, funktionale Leistungsbeschreibung oder Pilot-Evaluierung.Unsere Forderung:„Das Land muss vom Regulierer zum ersten Kunden werden.“
- 6. “KI-Transferoffensive NRW“ über KI.NRW und regionale Anwendungszentren
KI.NRW ist bereits die zentrale Anlaufstelle des Landes für Künstliche Intelligenz und verbindet Forschung, Innovation und Unternehmertum. Daraus sollte ein noch stärkerer Anwendungsarm für den Mittelstand entstehen: mit branchenspezifischen KI-Sprints, KI-Readiness-Checks, Musterlösungen für Produktion, Logistik, Handel und Verwaltung sowie standardisierten Umsetzungsprojekten mit regionalen Partnern.Die KI-Transferoffensive sollte eng mit dem One-Stop-Shop Innovation NRW verzahnt werden. Der Zugang für Unternehmen sollte zentral organisiert werden, während KI.NRW und regionale Partner, wie die Hochschulen vor Ort, die fachliche Umsetzung übernehmen. Die Flagship-Projekte von KI.NRW zeigen bereits, dass das Land anwendungsbezogene KI-Vorhaben fördert; der nächste Schritt wäre, diesen Ansatz viel breiter in die Fläche zu bringen. KI ist künftig nicht nur ein Software-Thema, sondern wird ein strategischer Infrastruktur- und Standortfaktor. Rechenzentren, Cloud-Infrastrukturen, Datenräume und KI-Modelle.Unsere Forderung:„Nicht nur KI-Kompetenz, sondern KI in die Werkhalle, ins Lager, ins Büro und ins Rathaus.“
IV. Zentraler Umsetzungsakteur
NRW-Innovationseinheit nach SPRIND-Vorbild
NRW hat bereits ein dichtes Geflecht aus Hochschulen, Clustern, Hubs, Förderprogrammen, EFRE/JTF-Strukturen und vor allem der NRW.BANK. Was bislang fehlt, ist ein kleiner, hochautonomer Umsetzungsakteur für die besonders risikoreiche Phase zwischen Idee, Validierung, Erprobung und Markteintritt. Genau hier liegt eine zentrale Lücke im Innovationssystem in NRW. Eine NRW-Innovationseinheit nach SPRIND-Vorbild, keine neue große Behörde, sondern ein kleiner, autonomer Innovationsbeschleuniger NRW mit sehr engem Mandat kann diese Lücke füllen.
Die Organisationseinheit müsste mindestens folgende Dinge leisten:
-
Validierungsaufträge NRW:
Kleine, schnelle, technologieoffene Tickets für radikale Ideen aus Hochschulen, Start-ups und KMU, mit Entscheidung in wenigen Wochen statt in Förderzyklen von Monaten. -
NRW-Challenges:
Wettbewerbliche Formate zu klaren Zukunftsproblemen des Landes, etwa klimaneutrale Industrieprozesse, Kreislaufwirtschaft, Industrie-KI, resiliente Logistik oder Energie- und Netzintegration. -
Testfelder mit Fast Track:
Die Einheit soll nicht nur Ideen finanzieren, sondern den Zugang zu Reallaboren, Genehmigungen, Ankeranwendern und Datenräumen organisieren. -
Transfer in den Markt:
Erfolgreiche Vorhaben gehen nicht in dauerhafte Zuschussabhängigkeit, sondern wechseln in NRW.BANK-Finanzierung, Co-Investments, Beschaffung oder private Kapitalrunden.
Die NRW-Einheit sollte als hochautonomes Sondermandat innerhalb bestehender Landesstrukturen organisiert werden. Damit wäre die Struktur komplementär statt redundant. Ökonomisch würde genau der Teil des Innovationssystems adressiert, in dem das Marktversagen am größten ist: frühe Validierung und risikoreiche Erprobung.
Kontakt
Matthias Mainz
Geschäftsführer Wirtschaftspolitik und Digitalisierung
IHK NRW e. V.
Dr. Eckhard Göske
Fachpolitischer Sprecher Industrie, Forschung, Innovation und Informationstechnologie
IHK Nord Westfalen
