IHK NRW

Konjunktur in Nordrhein-Westfalen

Hoffnung auf Bodenbildung, aber…

Der Start in das Jahr 2026 war für viele Unternehmen schwierig. Die Wettbewerbssituation hat sich durch hohe Arbeits- und Energiekosten sowie Unsicherheiten im Außenhandel strukturell verschlechtert. Immerhin: Nach sechs Jahren des Abschwungs stabilisiert sich die Lage auf niedrigem Niveau. Für die kommenden Monate verbessern sich die Aussichten leicht. Noch verharrt der Indikator im negativen Bereich, doch steigt die Hoffnung, dass der Abwärtstrend zum Halten kommt.
Als Folge des Abschwungs der vergangenen Jahre hat sich der Wachstumspfad NRW strukturell verschlechtert. In der Industrie hat die NRW-Wirtschaft international an Boden verloren. Im Vergleich zu Februar 2022, zu Beginn des Krieges in der Ukraine, sank die Produktion in der NRW-Industrie bis Dezember 2025 insgesamt um 11,0 % (−13,5 % in der energieintensiven Industrie, it.nrw.de). Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreicht den höchsten Stand seit 2015 (it.nrw.de). Betroffen ist vor allem der Handel.
Für NRW ist Wertschöpfung verloren gegangen, die so schnell nicht ersetzt werden kann. Zum Jahresbeginn zeigen sich erste Anzeichen, dass der Abwärtstrend auslaufen könnte. In der Konjunkturumfrage der IHKs in NRW stabilisieren sich Lage- und Erwartungsindikator, wenn auch auf niedrigem Niveau.
An den Konjunkturumfragen der Industrie- und Handelskammern in NRW haben sich zum Jahresbeginn 2026 über 5.300 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungssektor beteiligt.

Lage

Der Lageindikator, der die aktuellen Geschäftsentwicklungen beschreibt, kann sich im Vergleich zur Vorumfrage leicht auf -4 Punkte verbessern. Seit nunmehr zwei Jahren verharrt der Indikator in einer Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau knapp unterhalb der Nulllinie. Allerdings stellt sich die Konjunktur in den Branchen sehr unterschiedlich dar.
In der NRW-Industrie bleibt die Lage unverändert kritisch. Der Lageindikator für die Industrie verbessert sich zwar leicht, verharrt mit -20 Punkten aber weit im negativen Bereich. 35 Prozent der befragten Industrieunternehmen bewerten die Lage unverändert als schlecht, nur 15 Prozent als gut.
Auch im Einzelhandel bleibt die Lage kritisch (schlechte Lage: 31 Prozent, gute Lage: 19 Prozent). Immerhin kann der Lageindikator in beiden Branchen das Niveau der Vorumfrage halten.
Stabilisiert hat sich die Geschäftslage zuletzt im Dienstleistungssektor. In der Finanz- und Versicherungswirtschaft und bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern verbessert sich die Geschäftslage leicht und liegt oberhalb der Nulllinie. Auch in der Bauwirtschaft meldet die Mehrzahl der befragten Unternehmen (29 Prozent) eine gute Geschäftslage (schlechte Lage: 18 Prozent). Trotz der angekündigten
Mehrinvestitionen der öffentlichen Hand hat sich die Lage im Bau zuletzt etwas verschlechtert. Die Unternehmen erwarten nicht, dass es trotz der Ausgabeprogramme zu einem schnellen Nachfrageanstieg kommt. In den kommenden Monaten erwartet die Mehrheit der befragten Bauwirtschaft sogar eine schlechtere Geschäftsentwicklung.

Erwartungen

Die Aussichten auf die kommenden Monate haben sich in der aktuellen Umfrage weiter stabilisiert. Der Erwartungsindikator ist um 5 Punkte angestiegen und kämpft sich langsam aus seinem Tief. Zwar bleibt er mit -5 Punkten im negativen Bereich, doch wird die Hoffnung gestärkt, dass der Abwärtstrend ausläuft. In vielen Dienstleistungsbranchen, aber auch in der Industrie und im Gastgewerbe haben sich die Aussichten zu Jahresbeginn verbessert. In der Industrie setzt ein Fünftel der Befragten auf eine Aufhellung der Geschäfte. Ebenso viele fürchten einen weiteren Rückgang. Im letzten Jahr hat sich der Erwartungsindikator damit um 18 Punkte verbessert. Im Gastgewerbe steigt der Indikator im Jahresvergleich ebenfalls deutlich um 15 Punkte.
Sorgenvoll schauen hingegen weiterhin die Unternehmen im Einzel- und Großhandel sowie in der Logistik in die Zukunft. In der Logistik verschlechtert sich der Erwartungsindikator nochmals auf -19 Punkte. Die Logistiker müssen sich auf eine strukturell gesunkene Nachfrage aus der Industrie einstellen. Daneben belasten sie der Mangel an Fachkräften (53 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (67 Prozent). Der desolate Zustand der Infrastrukturen in NRW wirkt zusätzlich als Unsicherheitsfaktor für die längerfristige Geschäftsplanung.
Auch im Handel ist keine Entspannung in Sicht. Der strukturelle Wandel setzt sich ungebremst fort. Die befragten Einzelhändler (61 Prozent) und Großhändler (73 Prozent) fürchten vor allem, dass die Inlandsnachfrage auch im Frühjahr 2026 nicht anspringt.

Zwischenfazit:

Der Abwärtstrend scheint sich – auf einem niedrigeren – Niveau zu stabilisieren. Nach dem Abschwung der vergangenen sechs Jahre haben sich strukturelle Wohlstandsverluste manifestiert, die die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen belasten.

… kein Grund zur Entwarnung.

NRW steht weiter vor schwierigen Jahren. Zwar wächst die Hoffnung, dass der Abwärtstrend gestoppt werden kann, jedoch bleiben die Planungen der NRW-Unternehmen restriktiv ausgerichtet. Impulse für eine Umkehr hin zu einem Aufwärtstrend zeigen sich noch nicht, vielmehr besteht die Gefahr, dass die restriktiven Planungen der Unternehmen die Inlandsnachfrage unter Druck setzen.
Die Aussichten auf das kommende Jahr bleiben in Nordrhein-Westfalen verhalten. In den Konjunkturprognosen erwartet die deutsche Bundesbank für Deutschland im Jahr 2026 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent, der im Wesentlichen von der wachsenden Nachfrage des Staates getragen wird (Deutsche Bundesbank).
  • Investitionen: Bei den Investitionsplanungen der NRW-Wirtschaft ist eine Trendwende nicht in Sicht. Zwar wollen 20 Prozent der Befragten mehr investieren, 31 Prozent dagegen ihre Investitionen einschränken. Damit liegt der Investitionsindikator seit zwei Jahren bei rund minus zehn Punkten. Bei den Investitionsmotiven dominiert weiter die Rationalisierung (36 Prozent, unter den Industrieunternehmen sogar 45 Prozent). Auf Kapazitätsausweitungen zielen nur 18 Prozent der Befragten.
  • Auslandsinvestitionen: Die allgemeine Unsicherheit über das weltwirtschaftliche Umfeld schlägt sich auch auf die Auslandsinvestitionen nieder. Über alle befragten Unternehmen bleiben die Planungen, im Ausland zu investieren, so wie im vergangenen Jahr, zurückhaltend. Deutlich wird aber, dass die Branchen, die im internationalen Wettbewerb unter Druck stehen, verstärkt ins Ausland gehen. So investieren aus der NRW-Chemieindustrie über 55 Prozent der Unternehmen aktuell außerhalb Deutschlands. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 46 Prozent. In der Industrie insgesamt sind es nur 39 Prozent. Der Verlagerungstrend ist keineswegs gestoppt.
  • Beschäftigung: In der Summe planen die befragten Unternehmen erneut mit einer geringeren Beschäftigung. 13 Prozent der Befragten planen mit mehr, 22 Prozent mit einem sinkenden Personalstamm. Damit ist zu befürchten, dass der Druck auf den NRW-Arbeitsmarkt weiter hoch bleibt. Die unsicheren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt drücken immer auch auf die Inlandsnachfrage.
Allein in der NRW-Industrie ist die durchschnittliche Beschäftigtenzahl um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken (it.nrw.de). Ein weiterer, signifikanter Stellenabbau ist in vielen Betrieben angekündigt. Unter den befragten Industrieunternehmen planen 30 Prozent mit weniger Mitarbeitenden.
Auch in konsumorientierten und personalintensiven Branchen, wie im Gastgewerbe, stehen die Zeichen auf Stellenabbau. Im Gastgewerbe planen nur drei Prozent mit mehr, 25 Prozent aber mit weniger Beschäftigten. In der Logistik und im Einzelhandel sieht es ähnlich kritisch aus.
Trotz des demografischen Wandels sehen viele Unternehmen daher auch im Fachkräftemangel nicht mehr im gleichen Maße das zentrale Konjunkturrisiko. Noch im Herbst 2023 stand der Fachkräftemangel für 60 Prozent der Unternehmen im Vordergrund. Aktuell ist der Wert auf 38 Prozent gesunken. Kritisch bleibt die Fachkräftesicherung in Branchen wie der Logistik (53 Prozent) oder im Baugewerbe (56 Prozent).
  • Arbeitskosten: Mehr als die quantitative Personalverfügbarkeit bereiten vielen Branchen die gewachsenen Arbeitskosten Probleme. Seit dem Ende der Coronakrise wird das Arbeitskostenrisiko von nunmehr 56 Prozent der Befragten als Risiko eingeschätzt. Besonders in den personalintensiven Branchen wie dem Gastgewerbe (76 Prozent) und der Logistik (67 Prozent) sowie in Branchen mit einem intensiven internationalen Wettbewerb, wie der Industrie (61 Prozent), drücken die Arbeitskosten auf die Wettbewerbsfähigkeit. In der Industrie spielen die Arbeitskosten in der Zwischenzeit eine ebenso große Rolle wie die Energie- und Rohstoffkosten.
  • Energiekosten: Für viele Industriebranchen ist die Belastung durch die Energie- und Rohstoffkosten zu hoch (Industrie: 59 Prozent, alle Branchen 47 Prozent). Insbesondere die energieintensiven Unternehmen sind auf ein Gegensteuern bei der Energiewende angewiesen (s. IHK NRW Energiemonitoring). In der Vorleistungsgüterindustrie verringern 40 Prozent der Befragten daher ihre Investitionen am Standort - in der energieintensiven Papierindustrie sogar 54 Prozent. In diesen Sektoren schreitet die De-Investition in NRW voran. Die Energieversorger zählen auf der anderen Seite zu den Branchen mit den größten Investitionsplänen (71 Prozent).
  • Export: Ein Lichtblick sendet die aktuelle Konjunkturumfrage aus dem Export. Bis zum Herbst hat sich die wachsende Unsicherheit über die weltwirtschaftliche Entwicklung in sinkende Exporterwartungen niedergeschlagen. Zu Jahresbeginn verbessert sich die Stimmung unter den Exporteuren erstmals wieder spürbar. Immerhin sehen nun wieder 18 Prozent unter den befragten Industrieunternehmen Chancen im Export. 26 Prozent befürchten einen weiteren Rückgang. Zum Herbst war die Skepsis noch deutlich größer. Damals lag der Exportindikator noch neun Punkte niedriger – auch hier zeigt sich noch kein Umschwung aber ein Hoffnungsschimmer, dass der Tiefpunkt erreicht sein könnte.
Die Anpassung an die Hochzollpolitik der USA bleibt für die Betriebe eine Herausforderung. 76 % der deutschen Unternehmen in den USA spüren negative Auswirkungen auf ihre eigenen Geschäfte. Insgesamt gelingt es den deutschen Unternehmen vor Ort besser als noch im Frühjahr, sich auf die Zollpolitik einzustellen (AHK World Business Outlook Herbst 2025).
Die Umfragedaten stammen aus Konjunkturumfragen in den Bezirken der IHKs in NRW jeweils zu Jahresbeginn, im Spätsommer und im Herbst. Die Beteiligung liegt jeweils zwischen 3.000 und über 6.000 Betrieben aus allen Branchen in ganz NRW. Die Umfragen bilden ein repräsentatives Stimmungsbild der gewerblichen Wirtschaft vor Ort ab.

Weitere Konjunkturauswertungen in NRW

Regelmäßig erstellt das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. in Essen Konjunkturprognosen für Nordrhein-Westfalen.
Mit der Sonderauswertung des ifo-Geschäftsklimaindex bietet die NRW.Bank einen regelmäßigen Überblick über die Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen.

Konjunktur in Deutschland (DIHK)

Die DIHK bietet Informationen zur Konjunktur & Wachstum deutschlandweit an.