IHK NRW

Konjunktur in Nordrhein-Westfalen

NRW-Konjunktur: Krieg gegen die Ukraine verunsichert die NRW-Wirtschaft

Der Krieg gegen die Ukraine, seine Folgen für die Weltwirtschaft und insbesondere für die Energiemärkte treffen die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen hart. Zwar ist die Auftragslage in vielen Unternehmen noch gut. Lieferengpässe, Preisanstiege und Fachkräftemangel erschweren aber zunehmend deren Abarbeitung. Viele Unternehmen erwarten eine weitere Verschärfung der Krise mit Folgen für die Konjunktur in Nordrhein-Westfalen. Der Indikator zu den Geschäftserwartungen verliert 24 Punkte und fällt weit in den negativen Bereich

Unsicherheit bremst die Erholung im Frühsommer

In der Konjunkturumfrage der IHKs in NRW, an der sich zum Frühsommer über 4.500 Unternehmen beteiligt haben, hat sich die Stimmung verschlechtert. Noch ist die Geschäftslage bei vielen Unternehmen gut (35 Prozent) und der Lageindikator kann sein Niveau aus der Vorumfrage von 19 Punkten bestätigen. Lediglich 16 Prozent der Befragten bewerten die laufenden Geschäfte bereits als schlecht. Betroffen sind besonders Branchen wie die Gastronomie, in denen sich die Geschäftsentwicklung noch nicht von den Folgen der Corona-Krise erholt hat.
Für die kommenden Monate fürchten die Unternehmen eine Verschärfung der Krise. Derzeit stellt sich jedes dritte befragte Unternehmen auf nachlassende Geschäfte ein. Der Erwartungsindikator fällt um 24 Punkte. Ein Rückgang von über 20 Punkten war in der Vergangenheit zuletzt der Vorbote eines konjunkturellen Abschwungs. Vergleichbar ist der Stimmungsindikator zwischen zwei IHK-Umfragen auch im Vorfeld der Finanzkrise und der Rezession 2003 gefallen.
Noch besteht allerdings Hoffnung, dass ein tieferer Abschwung verhindert werden kann. Denn trotz der wachsenden Unsicherheit haben viele Unternehmen ihre Investitions- und Beschäftigungsplanungen bislang nicht zurückgenommen. Wie zu Jahresbeginn planen etwa 30 Prozent der Unternehmen mit steigenden und 25 Prozent mit sinkenden Investitionen. Zurückhaltend mit Investitionen zeigen sich zum einen viele Unternehmen, die energieintensiv produzieren und von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Zum anderen sinken die  Investitionen in den Branchen, die stark von der Corona-Krise betroffen sind wie die Veranstaltungs- und Tourismuswirtschaft. Hier fehlen vielfach die Rücklagen, um den Re-Start mit den erforderlichen Investitionen anzugehen.
Über die Krisenjahre ist das Eigenkapital in vielen der betroffenen Branche stark angegriffen worden, so dass es den Unternehmen nun zunehmend schwerfällt, auf die neuerliche Krise zu reagieren. Auch die absehbaren Investitionserfordernisse in der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit werden diese Unternehmen nur schwerlich stemmen können.
Gesamtwirtschaftlich ist eine belebende Investitionsdynamik nicht in Sicht. Zwar investieren auch Unternehmen in Kapazitätsausweitungen (25 Prozent) und Produktinnovationen (27 Prozent). Beide Investitionsmotive liegen aber rund zehn Prozentpunkte unter dem Niveau von vor der Corona-Krise. Stattdessen gewinnt die Rationalisierung als Investitionsmotiv an Bedeutung (31 Prozent), erreicht aber auch noch nicht ein vergleichbares Niveau wie in vergangenen  Krisen. Krisenunabhängig bleibt der Umweltschutz (25 Prozent) ein wichtiges Investitionsmotiv. Aus Sorge vor der Zinswende ziehen einige Unternehmen derzeit Investitionen vor. 
Der Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen zeigt sich weiter stabil. Während 20 Prozent der Befragten mit mehr Beschäftigten planen, erwarten 13 Prozent einen Mitarbeiterrückgang. Auch in der Krise berichten viele Unternehmen, dass sie ihre Nachfrage nach Mitarbeitenden nicht realisieren können. Entsprechend sehen 52 Prozent der Unternehmen im Fachkräftemangel das zentrale Konjunkturrisiko. Hoch ist die Nachfrage nach neuen Mitarbeitenden von allem in der IT-Wirtschaft, unter den unternehmensnahen Dienstleister und in der Gesundheitswirtschaft.
Ein Zeichen sowohl für die zunehmende Unsicherheit wie auch für die Schwierigkeiten, Fachkräfte zu gewinnen, ist die wachsende Arbeitskräftenachfrage bei den Personalvermittlungen. Mehr Unternehmen setzen auf die Hilfe und die Flexibilität von Dienstleistern bei der Personalgewinnung. 
SONDERUMFRAGE: Die IHKs in NRW haben zur Landtagswahl in NRW 2022 eine Sonderumfrage bei den Unternehmen zum größten Handlungsbedarf für die neue Landesregierung gestartet. Die Ergebnisse finden Sie hier.

Konjunkturentwicklung in den Regionen Nordrhein-Westfalens (IHKs in NRW)

Von Aachen bis Wuppertal - Die Ergebnisse der regionalen IHK-Konjunkturumfragen sind  hier abrufbar. 

Konjunktur in Nordrhein-Westfalen 

Regelmäßig erstellt das RWI –- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. in Essen  Konjunkturprognosen für Nordrhein-Westfalen. 
Mit der Sonderauswertung des ifo-Geschäftsklimaindex bietet die NRW.Bank einen regelmäßigen Überblick über die Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen. 

Konjunktur in Deutschland (DIHK) 

Der DIHK bietet Informationen zur Konjunktur & Wachstum deutschlandweit an.
Die Umfragedaten stammen aus Konjunkturumfragen in den Bezirken der 16 IHKs in NRW jeweils zu Jahresbeginn, im Spätsommer und im Herbst. Die Beteiligung liegt jeweils zwischen 3.000 und über 6.000 Betrieben aus allen Branchen in ganz NRW. Die Umfragen bilden ein repräsentatives Stimmungsbild der gewerblichen Wirtschaft vor Ort ab. Nach Wirtschaftszweigen verteilen sich die Antworten auf die Industrie (28 Prozent), die Bauwirtschaft (fünf Prozent), den Handel (24 Prozent) und die Dienstleister (40 Prozent). Die Einteilung der Wirtschaftszweige basiert auf der amtlichen Statistik der WZ 2008. Weitere Informationen zur Systematik finden Sie hier.

Konjunktur in Europa (Eurochambres) 

Ein detailliertes Bild des Geschäftsklimas in Europas Regionen zeichnet die europäische Kammerorganisation Eurochambres mit ihrem jährlichen Konjunkturbericht.