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Brücken bauen für eine starke Wirtschaft
Stefan Hagen, Vizepräsident von IHK NRW und Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg
Vor einigen Wochen sagte mir ein Unternehmer aus unserer Region: „Wir sprechen inzwischen häufiger über Ausweichrouten als über neue Aufträge.“ Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben. Denn er beschreibt ein Problem, das weit über eine gesperrte Straße oder eine einzelne Baustelle hinausgeht.
Die Sperrung der Bonner Nordbrücke macht sichtbar, wie wichtig die Brücken über den Rhein für unser Land sind. Rund 100.000 Fahrzeuge sind vor der Sperrung täglich über die Nordbrücke gefahren. Fällt eine solche Verbindung aus, werden aus wenigen Kilometern schnell Dutzende kilometerlange Umwege. Pflegekräfte und Handwerksbetriebe schaffen weniger Termine, Beschäftigte wechseln den Job, weil sie nicht mehr stundenlang im Stau stehen wollen, und die Erreichbarkeit von Innenstädten leidet.
Als Unternehmer sehe ich Brücken als Möglichmacher von Wertschöpfung. Sie verbinden Produktionsstandorte mit Kunden, Beschäftigte mit ihren Arbeitsplätzen und Unternehmen mit ihren Lieferanten. Mobilität und Wertschöpfung stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Funktioniert diese Verbindung nicht, steigen die Kosten und sinkt die Wettbewerbsfähigkeit.
Brücken sind keine Nebensache. Sie entscheiden darüber, ob Nordrhein-Westfalen Industrieland und ein attraktiver Ort für Investitionen bleibt. Wer die Zukunft unseres Landes sichern will, muss dafür sorgen, dass Menschen und Waren zuverlässig ans Ziel kommen, auf der Straße, aber auch zu Wasser und auf der Schiene.Stefan Hagen, Vizepräsident von IHK NRW, Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg
Mein Zukunftskompass für Nordrhein-Westfalen ist deshalb klar: Unser Land muss wieder für verlässliche Mobilität stehen. Unternehmen investieren dort, wo sie auf funktionierende Verkehrswege vertrauen können. Eine moderne Verkehrsinfrastruktur ist nicht allein eine Frage der Verkehrspolitik. Sie ist die Grundlage für Wachstum, Innovation und industrielle Wertschöpfung.
Immerhin gibt es mittlerweile Beispiele, dass es auch anders geht – nicht nur in Genua, sondern auch in NRW. Die Haarbachtalbrücke bei Aachen wurde in weniger als 20 Monaten erneuert. Und bei der Rahmedetalbrücke haben am Ende vereinfachte Verfahren, funktionale Ausschreibungen und parallele Arbeitsschritte wertvolle Zeit gespart. Diese Projekte beweisen: Deutschland und NRW können Infrastruktur schnell ertüchtigen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Sie müssen jetzt zum Standard gemacht werden, damit auch die Bonner Nordbrücke wie geplant bis 2028 modernisiert wird und künftig selbst als Vorbild für eine erfolgreiche Brückenmodernisierung dienen kann.
Der Ansatz für die Zukunft sollte sein: Ein langfristiger Infrastrukturvertrag für NRW, mit klaren Instandhaltungs- und Ausbauzielen, der über Jahre hinweg Finanzmittel für Erhalt und Erneuerung von Straßen, Brücken, Schienen und Wasserwege sichert. Ein regelmäßiger Bericht über den Zustand unserer Infrastrukturen kann zugleich zeigen, ob wir tatsächlich vorankommen. So wird aus kurzfristiger Reparatur eine vorausschauende Infrastrukturpolitik.
Von der neuen Landesregierung erwarte ich deshalb drei Dinge: Erstens eine klare Priorisierung von Infrastrukturprojekten nach ihrer Bedeutung für Wirtschaft, Versorgung und Verkehrsnetz. Zweitens Planungs- und Genehmigungsverfahren, die deutlich schneller werden und erfolgreiche Beschleunigungsmodelle zum Standard machen. Und drittens eine verlässliche, mehrjährige Investitionsplanung.
Brücken sind keine Nebensache. Sie entscheiden darüber, ob Nordrhein-Westfalen Industrieland und ein attraktiver Ort für Investitionen bleibt. Wer die Zukunft unseres Landes sichern will, muss dafür sorgen, dass Menschen und Waren zuverlässig ans Ziel kommen, auf der Straße, aber auch zu Wasser und auf der Schiene.
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Berliner Allee 12
40212 Düsseldorf
Telefon 0211 36702-0
Fax 0211 36702-21
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