6 min
Lesezeit
Next Level Bildung NRW
I. Warum NRW jetzt handeln muss
NRW entscheidet seine Zukunft nicht in zehn Jahren. NRW entscheidet sie jeden Morgen – in Kitas, Klassenzimmern, Berufskollegs und Ausbildungsbetrieben. Dort zeigt sich, ob ein Kind lesen lernt oder früh den Anschluss verliert. Ob Jugendliche Orientierung für ihren weiteren Weg entwickeln. Ob aus Talent Können wird - oder Potenziale ungenutzt bleiben.
Was hier gelingt, sichert Fachkräfte, stärkt Unternehmen und trägt unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Was hier nicht gelingt, fehlt später überall – in Werkhallen, Pflegeeinrichtungen, Verwaltungen, Start-ups und Betrieben.
Und die Folgen zeigen sich nicht erst Jahre später. Sie werden spätestens dann spürbar, wenn junge Menschen den Übergang in Ausbildung, Studium oder Beruf nicht verlässlich schaffen. Bildung ist deshalb nicht einfach ein weiteres Politikfeld. Bildung ist der entscheidende Hebel dafür, ob Nordrhein-Westfalen seine Zukunft gestalten kann oder ihr hinterherläuft.
Die Ausgangslage ist ernst
- Zu viele Kinder und Jugendliche erreichen keine stabilen Grundlagen in Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprache.
- Zu viele Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule ohne klaren nächsten Schritt.
- Und zu viele Betriebe müssen auffangen, was zuvor nicht verlässlich gelungen ist.
Das ist kein Randproblem, sondern ein strukturelles Problem mit direkten Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftesicherung und Zusammenhalt. Studien wie IQB und PISA zeigen seit Jahren wachsende Rückstände bei grundlegenden Kompetenzen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, demografischer Wandel und Zuwanderung verändern Bildungswege und Arbeitswelt grundlegend.
Nordrhein-Westfalen ist geprägt von großer Vielfalt – mit unterschiedlichen Sprachen, Lebenslagen und Bildungsbiografien. Hinzu kommen steigende mentale Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Das Bildungssystem steht damit unter wachsendem Druck und stößt an strukturelle Grenzen.
Das eigentliche Problem: fehlende Systematik. Auf viele Herausforderungen wird mit einzelnen Programmen, Maßnahmen und Förderansätzen reagiert. Doch solange diese häufig nebeneinander laufen und nicht wirksam ineinandergreifen, entsteht daraus noch kein verlässlicher Bildungsweg. Verlässliche Bildungswege entstehen erst, wenn zentrale Bausteine systematisch zusammenwirken: sichere Grundlagen, Lernmotivation und persönliche Stabilität, gezielte Förderung bei unterschiedlichen Ausgangslagen, Praxis-, MINT- und Lebensweltbezug sowie klare Übergänge.
Genau dieses strukturierte Zusammenspiel gelingt bislang nicht durchgängig. NRW verfügt über viele wirksame Bausteine, z.B. in der frühen Förderung, der Berufsorientierung und der Schulentwicklung. Doch sie entfalten ihre Wirkung noch nicht als verlässliches Gesamtsystem. Übergänge bleiben brüchig, Ansätze laufen häufig nebeneinander her, und wirksame Lösungen sind zu oft projektabhängig.
Ein „Weiter so“ reicht nicht
Ein „Weiter so“ reicht nicht. Mehr Einzelprogramme erhöhen die Komplexität, nicht die Verlässlichkeit. Das Problem ist nicht mangelndes Engagement, sondern fehlende Systematik. Die Konsequenz ist klar: Nordrhein-Westfalen braucht keinen weiteren Reparaturbetrieb. NRW braucht ein Bildungssystem, das als Ganzes funktioniert.
Das erfordert einen echten Systemwechsel:
Weg von Einzelmaßnahmen und nachgelagerter Reparatur, hin zu durchgängig organisierten Bildungswegen, die von Anfang an tragen.
Denn nur ein Bildungssystem, das verlässlich funktioniert, kann dauerhaft Fachkräfte sichern, gesellschaftliche Teilhabe stärken und die Zukunftsfähigkeit Nordrhein-Westfalens gewährleisten.
Zielbild
Eine Potenzialkultur mit verbindlichen Standards für NRW
Next Level Bildung NRW heißt: Talente in ihrer ganzen Breite – kognitiv, praktisch, technisch, sozial und kreativ – früh sichtbar machen, systematisch zu Kompetenzen entwickeln und verlässlich in Anschlüsse übersetzen.
II. Der neue Ansatz für NRW – vom Nebeneinander zum System
Der neue Ansatz ist kein weiterer Forderungskatalog. Er skizziert einen umsetzbaren Systemwechsel: weg von Einzelprogrammen und spätem Reparaturbetrieb, hin zu verbindlichen Bildungswegen, die tragen.
Bildungswege bedeuten mehr als die Abfolge von Kita, Schule und Ausbildung. Gemeint ist ein verlässlich organisierter Entwicklungsweg – von früher Förderung und sicheren Grundlagen über Praxis-, Projekt- und MINT-Erfahrungen bis hin zu einer Berufsorientierung, die früher beginnt, verbindlicher wirkt und konsequent auf Anschlüsse vorbereitet. Entscheidend ist, dass jeder Schritt auf den nächsten vorbereitet und niemand an Übergängen verloren geht.
Neu ist die konsequente Verbindung von Qualität, Übergängen und Verantwortung. Standards, Förderung, Praxis, Berufsorientierung und Anschlüsse werden nicht länger nebeneinander gedacht, sondern als durchgängiger Prozess – von der frühen Bildung bis in Ausbildung, Studium, Beruf und Weiterbildung.
Die Wirtschaft ist bereit, Verantwortung zu übernehmen: mit Praxispartnerschaften, Mentoring, Orientierung und regionaler Zusammenarbeit. Sie kann Talente sichtbar machen und Übergänge stärken. Strukturelle Schwächen des Bildungssystems kann sie jedoch nicht dauerhaft ausgleichen.
Der Strukturwechsel bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Er braucht Verbindlichkeit – über einzelne Programme und Legislaturperioden hinaus. Der Anspruch ist klar: NRW braucht ein Bildungssystem, das Talente früh erkennt, Kompetenzen systematisch entwickelt und Übergänge verlässlich gestaltet.
III. Fünf Handlungsfelder für verlässliche Bildungswege
Die fünf Handlungsfelder greifen ineinander: Menschen und Beziehungen schaffen die Grundlage, frühe Bildung legt das Fundament, Schule stärkt Kompetenzen, Übergänge sichern Anschlüsse – und Steuerung sowie Finanzierung sorgen dafür, dass Wirkung nicht vom Zufall abhängt. Leitidee ist, dass Bildung in NRW als gemeinsame Verantwortung entlang des gesamten Bildungswegs gelingt – verlässlich, durchgängig und bis zum Anschluss in Ausbildung und Beruf.
- 1. Bildung braucht Menschen – Entlastung, Teamarbeit und neue Professionalität
Bildungsqualität entsteht im Alltag von Kitas und Schulen, nicht auf dem Papier. Wo Personal fehlt und Unterstützung unkoordiniert bleibt, geraten selbst gute Reformen ins Leere. Entscheidend ist deshalb Umsetzungskraft vor Ort: Entlastung, Coaching und klare Routinen, statt zusätzlicher Berichtspflichten.
Was im Alltag anders wird
- Mehr Zeit für Pädagogik: Pädagogische Fachkräfte werden konsequent entlastet. Assistenzkräfte übernehmen Organisation, Kommunikation und Routinetätigkeiten. So bleibt mehr Zeit für Unterricht, Förderung und individuelle Begleitung.
- Teams statt Einzelkämpfer: Kitas und Schulen werden als Teams organisiert. Multiprofessionelle Unterstützung wird zur Grundstruktur: Sozialarbeit, Sprachförderung, Lerncoaching und Beratung sind dort verfügbar, wo sie gebraucht werden – dauerhaft und bedarfsorientiert.
- Mentoring als feste Begleitung: Kinder und Jugendliche erhalten feste Bezugspersonen, die sie langfristig begleiten – beim Lernen, bei Entscheidungen und an Übergängen. Dabei wird auch das Erfahrungswissen der Babyboomer-Generation gezielt genutzt. So wird Bildung zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe – mit persönlicher Begleitung und Verantwortung über Generationen hinweg.
- Fachkräftegewinnung systematisch stärken: Quereinstiege werden gezielt ermöglicht, qualifiziert und begleitet. Mit einer Bildungsoffensive International gewinnt NRW zusätzlich qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland und erleichtert Anerkennung, Sprachförderung und Einstieg in die Praxis.
- Lehrkräftebildung modernisieren: Die Lehrkräftebildung wird praxisnäher und moderner gestaltet. Diagnostik, Förderung, digitale Kompetenzen, KI-Anwendungen und Teamarbeit werden verbindlich verankert. Der Berufseinstieg wird durch Mentoring und strukturierte Begleitung stabilisiert.
- Digitale Sprach- und Prozesshilfen nutzen: KI-gestützte Übersetzung und mehrsprachige Tools erleichtern die Zusammenarbeit mit Familien und reduzieren Routineaufwand. Das schafft mehr Zeit für pädagogische Arbeit – bei klaren Datenschutz- und Qualitätsstandards.
Was daran neu ist
Entlastung und Unterstützung sind fester Bestandteil des Systems und nicht abhängig vom Engagement Einzelner.Mehrwert für NRW
Mehr wirksame Lernzeit, weniger Ausfälle, stabilere Bildungswege und bessere Ausbildungsreife. - 2. Früh beginnen – vom Nebeneinander zur durchgängigen Frühförderkette
Viele Rückstände entstehen vor der Grundschule. Wer dort zu spät gefördert wird, verliert später Zeit, Motivation und Anschluss. Das KiBiz muss deshalb zum Startpunkt durchgängiger Bildungswege werden: mit verbindlicher Sprachbildung, klaren Übergängen, starker Elternpartnerschaft und verlässlicher Qualität.
Was im Alltag anders wird
- KiBiz als Startpunkt durchgängiger Bildungswege nutzen: Qualität, Finanzierung, Fachkräfte, Sprachbildung, Inklusion und Übergänge werden aus einer gemeinsamen Logik gesteuert. Förderung darf nicht vom Standort oder von kurzfristigen Programmen abhängen.
- Früh fördern – verbindlich und nachvollziehbar: Sprache, Selbstständigkeit, soziales Lernen und Lernhaltung werden früh und gezielt aufgebaut. Förderung folgt einem klaren Verlauf und wird über Übergänge hinweg transparent und für Familien nachvollziehbar fortgeführt.
- Das Vorschuljahr als Brücke stärken: Das letzte Jahr vor der Einschulung wird zur verbindlichen Übergangsphase zwischen Kita und Grundschule – mit klaren Zielen, gezielter Förderung und strukturierter Übergabe. Fortschritte werden dokumentiert und weitergeführt, statt neu begonnen.
- ABC-Klassen wirksam einbetten: ABC-Klassen werden Teil der Frühförderkette. Sprachstände werden regelmäßig erfasst, Förderung gezielt geplant und Übergänge verbindlich begleitet. Zusätzliche Unterstützung wird dort ermöglicht, wo der Bedarf besonders groß ist.
- Familien zuverlässig erreichen: Familien werden aktiv einbezogen durch verständliche Kommunikation, mehrsprachige Begleitung und verlässliche Anlaufstellen im Quartier, etwa Familienzentren, Elternlotsen sowie Bildungs- und Übergangslotsen.
- Mehr Zeit für Förderung in der Kita schaffen: Assistenzkräfte entlasten bei Organisation, Alltag und Elternkommunikation. Sprach- und Inklusionsunterstützung wird Teil starker Teams, damit pädagogische Fachkräfte mehr Zeit für Kinder und gezielte Förderung haben.
Was daran neu ist
Frühförderung wird als durchgängige Kette mit klarer Förderung, überprüfbaren Fortschritten und Übergaben ohne Bruch organisiert.Mehrwert für NRW
Mehr Kinder starten mit tragfähigen Grundlagen in die Schule – mit weniger Förderstau, besseren Startchancen und stabileren Bildungswegen. - 3. Schule stärken – Grundlagen sichern, Talente praktisch entwickeln
Schule entscheidet, ob aus Potenzial tragfähige Kompetenz wird. Wer Lesen, Schreiben, Rechnen und Lernstrategien nicht sicher beherrscht, startet mit Nachholbedarf in Ausbildung und Beruf.Abrufbares Wissen allein reicht nicht mehr aus. Junge Menschen müssen Probleme lösen, digital handeln, im Team arbeiten und Verantwortung übernehmen können. Schule muss deshalb Grundlagen sichern und Wissen konsequent mit Anwendung verbinden. MINT, handwerkliche, kreative, musische, sportliche und alltagspraktische Erfahrungen gehören zur modernen Allgemeinbildung. Entscheidend ist: Messen allein verändert nichts. Lernstände müssen Förderung auslösen, Praxis ermöglichen und nächste Schritte klären. So wird Förderung Teil des Alltags und nicht nachträgliche Reparatur.
Was im Alltag anders wird
- Ganztag als echte Lernzeit gestalten: Der Ganztag bietet Raum für Übung, individuelle Förderung, Bewegung, kulturelle Angebote sowie verbindliche Praxis- und Projektphasen – etwa in Werkunterricht, Kunst, Musik, Sport, Ernährung, Schulgarten- oder Umweltprojekten.
- Praxis-, Projekt- und MINT-Lernen stärken: Schülerinnen und Schüler arbeiten an realen Aufgaben, experimentieren, gestalten Produkte, präsentieren Ergebnisse und dokumentieren Fortschritte in Portfolios. Technik, Wirtschaft, Handwerk, Naturwissenschaften, Informatik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit erhalten feste Lernzeiten.
- Zukunftswerkstätten und Maker-Spaces ermöglichen: Schulen erhalten – priorisiert nach Bedarf – praxisnahe Lernräume für Technik, Handwerk, MINT, Kreativität und Nachhaltigkeit. Dort entstehen Prototypen, Ausstellungen oder Lösungen für reale Herausforderungen wie Energie, Mobilität, Klima, Ernährung oder digitale Anwendungen.
- Lebenskompetenzen verbindlich machen: Selbstorganisation, Teamarbeit, Kommunikation, Verlässlichkeit, Bewerbung, Finanzen, Wohnen, Mobilität, Ernährung, Gesundheit, Verbraucherbildung und digitale Kompetenzen werden fester Teil moderner Allgemeinbildung. „fit for life“ kann dabei als Umsetzungsbaustein genutzt werden.
- Digitale und KI-gestützte Förderung nutzen: Digitale Instrumente unterstützen Diagnostik, individuelle Förderung und Lernbegleitung. Kompetenzprofile machen Fortschritte und Talente sichtbar.
- Schule stärker mit Praxispartnern verbinden: Unternehmen, Handwerk, Hochschulen, Museen, Umweltzentren, Vereine, Eltern und Ehrenamtliche können Projekte, Exkursionen und Workshops ermöglichen. Lernen wird greifbarer, anwendungsorientierter und anschlussfähiger.
Was daran neu ist
Schule entwickelt Kompetenzen durch sichere Grundlagen, MINT, Praxis, Kreativität, Bewegung und Lebenskompetenzen systematisch.Mehrwert für NRW
Mehr Jugendliche erreichen Standards – und starten mit realen Fähigkeiten in Ausbildung und Beruf. - 4. Übergänge sichern – von Einzelentscheidungen zur Anschlusskette
Zu viele Bildungswege scheitern nicht am Lernen, sondern am Übergang. Der Wechsel von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf darf deshalb kein Zufall sein. NRW hat mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ eine gute Grundlage. Der nächste Schritt ist, Übergänge früher, verbindlicher und praxistauglicher zu organisieren – nicht als einzelne Termine kurz vor Schulabschluss, sondern als Lernweg mit klarem Anschluss.Berufsorientierung beginnt ab Klasse 5 und wird Schritt für Schritt aufgebaut: entdecken, ausprobieren, entscheiden, bewerben. Jugendliche entwickeln über mehrere Jahre ein realistisches Bild ihrer Stärken, Möglichkeiten und nächsten Schritte.
Was im Alltag anders wird
- Berufsorientierung ab Klasse 5 verbindlich machen: In allen Schulformen entstehen feste Zeitfenster, Praxisphasen und ein verbindliches Praxisfach – vom Entdecken eigener Stärken über Werkstattarbeit, Projekte und Kooperationen mit Betrieben bis zur konkreten Bewerbung.
- Praktika als echte Lernorte gestalten: Praktika werden vorbereitet, im Betrieb begleitet und in der Schule ausgewertet – mit klaren Lernzielen und Feedback statt bloßer Anwesenheit.
- Laufbahnberatung als Standard verankern: Beratung wird planbar und kontinuierlich. Schülerinnen und Schüler haben feste Ansprechpersonen, die sie über längere Zeit begleiten und gemeinsam nächste Schritte entwickeln.
- Jugendberufsagenturen in jeder Kommune stärken: Sie bündeln Schule, Beratung, Jugendhilfe, Arbeitsverwaltung und Wirtschaft, damit Zuständigkeiten klar sind und niemand zwischen Systemen verloren geht.
- Mentoring auf der letzten Meile sichern: Jugendliche werden nicht nur bis zum Schulabschluss begleitet, sondern bis in die ersten Ausbildungsmonate hinein. Genau dort, wo viele Abbrüche entstehen. Auch erfahrene Beschäftigte im Übergang in den Ruhestand können dabei gezielt eingebunden werden.
- Matching regional und digital verbessern: Digitale Lösungen und regionale Netzwerke bringen Talente, Praktika, Ausbildung und Betriebe besser zusammen – frühzeitig, transparent und passgenau, gemeinsam mit IHK, HWK, Betrieben und Bundesagentur für Arbeit.
Was daran neu ist
Übergänge werden als durchgängige Anschlusskette organisiert, nicht als Einzelentscheidung kurz vor Schulabschluss.Mehrwert für NRW
Mehr direkte Anschlüsse, weniger Warteschleifen und Abbrüche, bessere Passung zwischen Jugendlichen und Betrieben. - 5. Wirkung sichern – vom Projekt zur lernenden Systemsteuerung
Gute Ansätze scheitern selten an der Idee, sondern an fehlender Verlässlichkeit: Finanzierung läuft zu kurz, Zuständigkeiten wechseln, erfolgreiche Lösungen bleiben lokal. NRW braucht deshalb eine Steuerung, die einfacher und gezielter wirkt: wenige klare Ziele, mehrjährige Planung und Unterstützung dort, wo sie gebraucht wird.
Was im Alltag anders wird
- Planungssicherheit statt Projektmodus: Personal, Ganztag, Schulentwicklung, Digitalisierung und Förderung werden mehrjährig abgesichert, damit Einrichtungen stabil arbeiten können.
- Ressourcen gezielt einsetzen: Unterstützung fließt sozialindexbasiert dorthin, wo die Herausforderungen größer sind – automatisch, bedarfsgerecht und verlässlich.
- Wenige Signale, konkrete Hilfe: Lernstände, Sprachstand, Übergänge, Fehlzeiten und Abbrüche zeigen früh, wo Handlungsbedarf besteht. Entscheidend ist: Daten führen nicht zu mehr Berichten, sondern zu Coaching, Förderung, Teamverstärkung und Umsetzungshilfen.
- Rückmeldungen mit Unterstützung verbinden: Lernstandsdaten, Feedback und Zielvereinbarungen werden direkt mit Ressourcen, Fortbildung und konkreten nächsten Schritten verknüpft.
- Bildungsfonds NRW als Beschleuniger nutzen: Ein Bildungsfonds NRW kann wirksame Ansätze schneller in weitere Regionen bringen – durch zusätzliche Zeit, Sachmittel, Anschubfinanzierung oder Umsetzungshilfen. Die staatliche Grundfinanzierung bleibt die Basis; transparente Kriterien und klare Leitplanken sichern Qualität.
- „Was wirkt, wird Regel“: Bewährte Ansätze werden nach klaren Kriterien verbreitet und dauerhaft finanziert. Ziel ist, dass erfolgreiche Lösungen in die Regelfinanzierung übergehen, statt nach Projektende zu verschwinden.
Was neu daran ist
Nicht Programme steuern das System, sondern Wirkung und konkrete Unterstützung.Mehrwert für NRW
Ressourcen wirken zielgenauer, erfolgreiche Ansätze kommen schneller in die Fläche, und das Bildungssystem lernt kontinuierlich dazu.
IV. Gemeinsame Verantwortung – vom Nebeneinander zum System
Ein Strukturwechsel in der Bildung gelingt nur als gemeinsames Vorhaben. Entscheidend ist nicht „mehr Beteiligung“, sondern mehr Verlässlichkeit im Alltag – mit klaren Rollen und weniger Reibung an den Übergängen.
Der neue Ansatz verbindet die Beiträge systematisch zu einem abgestimmten System zusammen:
Landespolitik setzt Zielbild und Rahmen:
Verbindliche Standards entlang der Bildungswege, Ressourcen nach Bedarf, mehrjährige Budgets und klare Signale, die Unterstützung auslösen statt neue Berichtslasten erzeugen. Dazu gehören verbindliche Übergaben an Schnittstellen und Strukturen, die wirksame Ansätze in die Fläche bringen.
Kommunen und Träger organisieren die Umsetzung vor Ort: Infrastruktur, Ganztag, Sozialraum-Netzwerke, Jugendberufsagenturen und ein Übergangsmanagement mit eindeutigen Zuständigkeiten. Kommunale Koordination macht Zusammenarbeit handlungsfähig.
Kitas, Schulen und Berufskollegs sind Orte der Wirkung:
Qualitätsarbeit braucht Zeit, Stabilität und Unterstützung im Regelbetrieb – durch zusätzliche Rollen, Coaching, multiprofessionelle Teams und praxistaugliche Routinen.
Hochschulen und Zentren für schulpraktische Lehrkräfteausbildung sichern Professionalität:
Durch verbindliche Praxisphasen, Diagnostik, Förderplanung, Sprachbildung, digitale Didaktik, KI-Kompetenz, Berufsorientierung und Inklusion. Mentoring, Supervision und Feedbackkultur stabilisieren den Berufseinstieg.
Wirtschaft und IHK-Organisation stärken Praxis als Lernmotor:
Realaufgaben, qualitätsgesicherte Praktika, Projektmentorinnen und -mentoren, MINT-Impulse, Werkstatt-Patenschaften und Challenge-Formate verbessern Orientierung und Passung. Wirksam wird das vor allem, wenn Beiträge freiwillig, planbar und entlastend organisiert sind.
Familien und Zivilgesellschaft sind Bildungspartner:
Vorbilder, Mentoring und niedrigschwellige Unterstützung helfen, Orientierung und Begleitung auch dort zu verankern, wo institutionelle Angebote allein nicht reichen – mehrsprachig und vertrauensbasiert.
Neu daran ist
Neu ist damit nicht die einzelne Maßnahme. Neu ist die Logik: Zusammenarbeit ist kein Zusatz mehr, sondern Teil des Systems. Verantwortung wird klar zugeordnet, Übergänge werden gemeinsam gestaltet, Wirkung wird verlässlich organisiert.
V. Auftrag an die kommende Landesregierung
Nordrhein-Westfalen steht vor einer Richtungsentscheidung: Bleibt Bildung eine Abfolge von Programmen und Einzelmaßnahmen oder wird sie als verlässliches System organisiert, das Bildungswege von Anfang an trägt? Next Level Bildung NRW zeigt, wie dieser Systemwechsel gelingen kann. Entscheidend ist jetzt die konsequente Umsetzung.
Der Auftrag an die kommende Landesregierung ist eindeutig: Bildungswege müssen durchgängig organisiert werden – vom frühen Lernen bis zum Übergang in Ausbildung und Beruf. Das bedeutet: früh verbindlich beginnen, Grundlagen systematisch sichern, Praxis, MINT, Kreativität und Lebenskompetenzen stärker integrieren, Übergänge klar gestalten und erfolgreiche Ansätze dauerhaft wirksam machen.
Dabei geht es nicht darum, immer neue Programme aufzulegen. Der entscheidende Schritt ist nicht mehr Programmvielfalt, sondern ein System, das im Alltag verlässlich funktioniert. Bildung wird damit zur gemeinsamen Zukunftsaufgabe des Landes – getragen von Politik, Kommunen, Einrichtungen, Wirtschaft, Familien und Zivilgesellschaft.
Gemeinsamer Auftrag
-
Jedes Talent zählt.
-
Nicht mehr Programme, sondern mehr Wirkung.
-
Nicht mehr Nebeneinander, sondern gemeinsame Verantwortung.
-
Jetzt ist der Moment, Bildungswege in Nordrhein-Westfalen verlässlich neu zu organisieren.
Kontakt
Wolfgang Trefzger
Geschäftsführer Bildung & Fachkräfte
IHK NRW e. V.
