01.04.2026
IHK-Umfrage zum Nahost-Konflikt
Eine Kurzumfrage der IHKs in NRW unter nordrhein-westfälischen Unternehmen zeigt: Die Eskalation im Nahen Osten wirkt sich bereits deutlich auf Transport, Energieversorgung, Lieferketten und Nachfrage aus. Sie zeigt auch, wie eng die NRW-Wirtschaft weltweit vernetzt ist. Die Auswirkungen, beispielsweise durch die Sperrung der Straße von Hormus, sind für viele Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bereits spürbar.
- Viele Unternehmen spüren bereits negative Auswirkungen
- Transport- und Logistikkosten steigen deutlich
- Hohe Energiepreise verschärfen den Druck auf den Standort
- Lieferketten geraten erneut unter Druck
- Nachfrageentwicklung bleibt schwach
- Risikoaufschläge und weitere Belastungen
- Welche Maßnahmen planen Unternehmen?
- Weiterführende Links
Ende März 2026 haben die IHKs in NRW 768 Unternehmen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen, erwarteten Risiken und geplanten Maßnahmen als Folge der Eskalation im Nahen Osten befragt. 40 Prozent der befragten Unternehmen sind im Nahen Osten wirtschaftlich aktiv. Ein Großteil liefert Waren oder Dienstleistungen in die Region. Andere Unternehmen beziehen Waren oder Dienstleistungen von dort oder verfügen vor Ort über eigene Standorte, etwa Vertriebsbüros, Produktionsstätten oder Joint Ventures. 60 Prozent der Unternehmen unterhalten kein direktes Geschäft in der Region.
Viele Unternehmen spüren bereits negative Auswirkungen
Mehr als 60 Prozent aller befragten Unternehmen geben an, von der aktuellen Krise betroffen zu sein. Knapp ein Drittel kann die Folgen derzeit noch nicht abschließend einschätzen.
Zu den fünf größten Herausforderungen zählen:
- steigende Transport- und Logistikkosten (82 Prozent)
- steigende Energiepreise (71 Prozent)
- Verzögerungen und Störungen in den Lieferketten (40 Prozent)
- sinkende Nachfrage (31 Prozent)
- gestiegene Risikoaufschläge und Versicherungen (20 Prozent)
Transport- und Logistikkosten steigen deutlich
Über alle Unternehmen hinweg berichten acht von zehn Befragte von steigenden Transport- und Logistikkosten. Bei Unternehmen mit Geschäft vor Ort sind es sogar neun von zehn. Betroffen sind sämtliche Transportwege zu Wasser, in der Luft und auf der Straße. Die größten Probleme zeigen sich aktuell in der Seefracht. Hintergrund sind unter anderem überbuchte Schiffe oder nicht ansteuerbare Zielhäfen.
Jedes fünfte Unternehmen mit Geschäft vor Ort verzeichnet in den vergangenen Wochen starke Kostenanstiege von mehr als 50 Prozent. 62 Prozent der Unternehmen berichten von leichten Preissteigerungen von mehr als 25 Prozent. Nur 15 Prozent geben an, dass ihre Logistik- und Transportkosten bislang unverändert geblieben sind.
Auch bei Unternehmen ohne eigenes Geschäft vor Ort zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Anteil der Unternehmen mit besonders starken Preissteigerungen fällt dort mit neun Prozent allerdings niedriger aus.
Hohe Energiepreise verschärfen den Druck auf den Standort
71 Prozent der befragten Unternehmen sehen steigende Energiekosten als große Herausforderung. Etwas stärker betroffen sind im Vergleich Unternehmen ohne eigenes Geschäft im Nahen Osten.
Der Standort Deutschland ist bereits seit Längerem durch hohe Energiekosten belastet. Zusätzliche Preissteigerungen und Versorgungsrisiken erhöhen den Druck auf die Unternehmen weiter. Öl und Gas decken rund 40 Prozent des industriellen Energieverbrauchs, vor allem für Prozesswärme. Steigende Energiepreise wirken sich daher unmittelbar auf die Produktionskosten der Industrie aus.
Lieferketten geraten erneut unter Druck
40 Prozent aller befragten Unternehmen berichten von Verzögerungen oder Unterbrechungen in ihren Lieferketten. Ein großer Teil davon spricht sogar von deutlichen Störungen.
Zu den Ursachen zählen längere Transportwege, eingeschränkte Hafenzugänge im Seeverkehr sowie Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten. Betroffen sind unter anderem Kunststoffe, Chemikalien sowie teilweise auch Stahl und Aluminium.
Die übrigen 60 Prozent geben an, ihre Lieferketten bislang stabil zu halten. Das deutet darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Lieferstrukturen bereits infolge früherer Krisen breiter aufgestellt und ihre Lagerbestände erhöht haben.
Die Verknappung von Öl wirkt sich unter anderem auf die Herstellung von Kunststoffprodukten aus. Das betrifft Alltagsprodukte wie Joghurtbecher oder Frischhaltefolien ebenso wie industrielle Anwendungen, etwa in der Automobilindustrie oder bei Abwasserrohren.
Nachfrageentwicklung bleibt schwach
31 Prozent der Unternehmen berichten von einer rückläufigen Nachfrage. Das ist ein weiteres Signal für die angespannte konjunkturelle Lage und dürfte sich negativ auf Wachstum und Investitionen auswirken.
Risikoaufschläge und weitere Belastungen
Transporte in den Nahen Osten oder aus der Region sind in Krisenzeiten häufig mit zusätzlichen Risikoaufschlägen und höheren Versicherungskosten verbunden, insbesondere in der Schifffahrt. Jedes fünfte Unternehmen bewertet dies als spürbare Belastung.
Weitere Auswirkungen zeigen sich vor allem bei Unternehmen mit Geschäft vor Ort: 41 Prozent berichten von einem rückläufigen Exportgeschäft, neun Prozent von sinkenden Geschäften in der Region selbst.
Welche Maßnahmen planen Unternehmen?
Viele Unternehmen reagieren bereits auf die aktuelle Lage. Besonders häufig genannt werden folgende Maßnahmen:
- Preiserhöhungen beziehungsweise die Weitergabe gestiegener Kosten
- Diversifizierung von Lieferketten und Lieferanten
- Ausbau der Lagerhaltung
56 Prozent der Unternehmen planen, gestiegene Kosten über Preisanpassungen an ihre Kunden weiterzugeben. Für jedes fünfte Unternehmen ist die Diversifizierung von Lieferketten und Lieferanten ein naheliegender nächster Schritt. Weitere 18 Prozent bauen ihre Lagerhaltung aus, um Versorgungsengpässen vorzubeugen.
Diese Ergebnisse zeigen, dass viele Betriebe aus vergangenen Krisen gelernt haben. Gleichzeitig verursachen solche Absicherungsmaßnahmen zusätzliche Kosten.
Bei den Unternehmen mit Geschäft vor Ort geben neun Prozent an, entsandte Mitarbeitende aus der Region abziehen zu wollen. Viele Unternehmen, die dort seit Jahren aktiv sind, verfügen über Erfahrung im Umgang mit Krisen und orientieren sich an bestehenden Sicherheitsplänen. Sechs Prozent planen, ihre Investitionen in der Region zurückzufahren oder vorerst auszusetzen.
Eine Verlagerung der Produktion oder eine stärkere Beschaffung in geografischer Nähe zu Europa spielt bislang nur für vier Prozent der Unternehmen eine Rolle.
Mehr als ein Drittel der Unternehmen plant derzeit keine konkreten Maßnahmen und beobachtet die weitere Entwicklung zunächst.