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IHK NRW berichtet zur Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen. 

Mit dem zweiten Lockdown im Dezember 2020 ist die wirtschaftliche Erholung zum Erliegen gekommen. Die Geschäftslage in den besonders betroffenen Branchen spitzt sich mit der Schließung zu. Aber auch in den Branchen, in denen die Geschäfte noch deutlich besser laufen, setzt sich die Erwartung durch, dass sich die Krise noch weit in das Jahr 2021 hineinziehen wird. Positive Impulse für die NRW-Konjunktur kommen insbesondere aus der  Exportwirtschaft. In der Summe bleiben die Erwartungen unter der Nulllinie.

In der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen haben sich mehr als 7.000 Unternehmen aus allen Landesteilen und Branchen NRWs beteiligt. 

Die Konjunkturumfrage der IHKs in NRW zu Jahresbeginn 2021 zeigt, wie sich die Spaltung der Wirtschaft in den offenen und geschlossenen Branchen verfestigt. Während die Wirtschaft insgesamt noch eine erstaunlich robuste Lage meldet, spitzt sich die Situation in den nun seit Monaten geschlossenen und für die Standortattraktivität zentralen Wirtschaftsbereichen zu. Diese Unternehmen benötigen dringend eine konkrete Öffnungsperspektive. Zudem wird zunehmend deutlich, dass auch solche Branchen unter der Krise leiden, die mittelbar von den geschlossenen Branchen abhängen. Auch in Teilen der Bau- und Immobilienbranchen verliert die Konjunktur an Dynamik. Unternehmen in internationalen Wertschöpfungsketten blicken kritisch auf die Diskussion um neuerliche Grenzschließungen. 

Während es vor der Ausweitung des zweiten Lockdowns im Dezember noch möglich erschien, dass sich die Lage weiter aufhellen könnte, fiel der Lageindikator im Januar erneut deutlicher unter die Nulllinie. Mit minus sechs Punkten verharrt der Lageindikator auf niedrigem Niveau. Rund 26 Prozent der befragten Unternehmen sind mit den aktuellen Geschäften zufrieden, 32 Prozent bewerten ihre Lage als schlecht. Damit verfestigt sich die Konjunkturlage seit dem Herbst 2020 mit einer Spaltung der NRW-Wirtschaft.

Mit der Dauer des Lockdowns ändert sich das Verbraucherverhalten beim Einkaufen, Reisen oder auch bei den personenbezogenen Dienstleistern. Eine einfache Rückkehr zur Situation von vor der Krise wird es nach dem Lockdown nicht geben. Insbesondere in den Innenstädten und an den touristischen Standorten stehen ganze Standortverbünde auf dem Prüfstand.

Getrieben vom Export hat sich die Lageeinschätzung in der Industrie und auch im produktionsnahen Großhandel zu Jahresbeginn verbessert. Das internationale Geschäft stabilisiert derzeit die Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Sorge bereiten den Unternehmen daher vor allem die neuerlichen Grenzschließungen. 

In den geschlossenen Branchen steigt das Insolvenzrisiko. Unternehmen stellen derzeit ihre Geschäftstätigkeit auch ohne Insolvenz ein. Zusätzlich verschiebt sich etwa im Handel oder in der Gastronomie der Wettbewerb  zugunsten von Online- oder Liefergeschäften mit der Gefahr einer weiteren Monopolisierung auf wenige digitale Plattformen. Vielen geschlossenen Unternehmen fehlen die Mittel, auf den Strukturwandel aus Digitalisierung, Energiewende und nachhaltigem Wirtschaften zu reagieren. Nach Monaten des Überlebenskampfes sinkt die Motivation, Teams fallen auseinander, eine langfristige Planung gelingt kaum mehr und auch die Suche nach einer Unternehmensnachfolge bleibt erfolglos. 

Angesichts der Gefahren eines neuerlichen Anstiegs der Infektionen steht auch für die Wirtschaft in NRW außer Frage, dass eine Öffnung an das damit verbundene Infektionsrisiko gebunden sein muss. Mit Blick auf die anlaufenden Impfungen und den immer deutlicher zu Tage tretenden strukturellen Folgen der Krise verfestigen sich daher in der NRW-Wirtschaft die Erwartungen, dass die Krise nicht schnell überwunden werden kann. Der Geschäftsklimaindikator zu den Erwartungen verharrt bei minus fünf Punkten unterhalb der Nulllinie. Während 23 Prozent der Befragten mit anziehenden Geschäften rechnen, fürchten 28 Prozent eine weitere Verschlechterung. Ein Blick auf die Bewertung in den unterschiedlichen Teilbranchen verdeutlicht die heterogene Situation in den Branchen (s. Seite 8).

Die Konjunkturberichte von IHK NRW finden Sie hier:

Weitere Informationen zur Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen Konjunktur in den Regionen Nordrhein-Westfalens (IHKs in NRW)

Von Aachen bis Wuppertal - Die Ergebnisse der regionalen IHK-Konjunkturumfragen sind hier abrufbar. 

Konjunktur in Nordrhein-Westfalen 

Regelmäßig erstellt das RWI –- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. in Essen Konjunkturprognosen für Nordrhein-Westfalen. 

Mit der Sonderauswertung des ifo-Geschäfsklimaindex bietet die NRW.Bank einen regelmäßigen Überblick über die Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen. 

Konjunktur in Deutschland (DIHK) 

Der DIHK bietet Informationen zur Konjunktur & Wachstum deutschlandweit an.

Die Umfragedaten stammen aus Konjunkturumfragen in den Bezirken der 16 IHKs in NRW jeweils zu Jahresbeginn, im Spätsommer und im Herbst. Die Beteiligung liegt jeweils zwischen 3.000 und über 6.000 Betrieben aus allen Branchen in ganz NRW. Die Umfragen bilden ein repräsentatives Stimmungsbild der gewerblichen Wirtschaft vor Ort ab. Nach Wirtschaftszweigen verteilen sich die Antworten auf die Industrie (28 Prozent), die Bauwirtschaft (fünf Prozent), den Handel (24 Prozent) und die Dienstleister (40 Prozent). Die Einteilung der Wirtschaftszweige basiert auf der amtlichen Statistik der WZ 2008. Weitere Informationen zur Systematik finden Sie hier.

Konjunktur in Europa (Eurochambres) 

Ein detailliertes Bild des Geschäftsklimas in Europas Regionen zeichnet die europäische Kammerorganisation Eurochambres mit ihrem jährlichen Konjunkturbericht.