IHK NRW

Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zählt zu den wirtschaftlich relevanten Branchen in Nordrhein-Westfalen. Sie verbindet kreative Prozesse mit technologischer Entwicklung und stärkt die Innovationsfähigkeit des Standorts. Mit einem Umsatz von 38,7 Milliarden Euro und rund 331.982 Erwerbstätigen (Stand 2022, Quelle: CREATIVE.NRW) ist die Branche ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Dynamik, Transformation und Wettbewerbsfähigkeit.

Struktur und Teilmärkte

Zur Kultur- und Kreativwirtschaft gehören Freiberuflerinnen und Freiberufler, Soloselbstständige sowie Unternehmen aus insgesamt elf Teilmärkten. In Nordrhein-Westfalen zählen dazu unter anderem Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt und Software-/Games-Industrie.
Die Teilmärkte sind eng miteinander vernetzt und weisen vielfältige Schnittstellen zu weiteren Branchen wie Industrie, Dienstleistungen oder Technologie auf. Diese sektorübergreifende Verflechtung ist ein wesentlicher Treiber für Innovation und stärkt die Transformationsfähigkeit des Standorts.

Key-Facts

NRW (Stand 2022, CREATIVE.NRW)

  • 38,7 Mrd. Euro Umsatz
  • 45.886 Unternehmen
  • 331.982 Erwerbstätige
  • starke Verknüpfung mit anderen Wirtschaftsbereichen
  • Kombination aus kulturellem, kreativem und technologischem Potenzial

Deutschland (BMWE Monitoringbericht 2024, Basisjahr 2023)

  • 205 Mrd. Euro Umsatz
  • rund 238.000 Unternehmen
  • fast 2,0 Mio. Erwerbstätige, davon rund 1,1 Mio. sozialversicherungspflichtig
  • Software-/Games-Industrie als größter Teilmarkt mit 685.100 Beschäftigten

Wirtschaftliche Entwicklung

Der bundesweite Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2024 zeigt, dass die Branche ihre wirtschaftliche Bedeutung weiter festigen konnte. Im Jahr 2023 waren fast zwei Millionen Erwerbstätige in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Der Umsatz lag bei rund 205 Milliarden Euro. Damit trägt die Branche rund vier Prozent zur Erwerbstätigkeit der deutschen Gesamtwirtschaft bei und bleibt ein zentraler Bestandteil des gesamtwirtschaftlichen Transformationsprozesses.

NRW: Innovations- und Transformationstreiber

Nordrhein-Westfalen verfügt über eine ausgeprägte Branchenstruktur und vielfältige Ökosysteme im Bereich Design, Games, Musik, Film, Medien und Werbung. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Treiber für digitale und soziale Innovationen. Neue Technologien, veränderte Produktionsmodelle und immersive Formate prägen Transformationsprozesse und eröffnen neue wirtschaftliche Potenziale.
Als Querschnittsbranche unterstützt die Kultur- und Kreativwirtschaft Entwicklungen in zahlreichen Wirtschaftssektoren. Die Vernetzung technologischer und kreativer Kompetenzen ist ein zentraler Standortfaktor für Nordrhein-Westfalen.

Künstliche Intelligenz in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil der Arbeitsrealität in der Kultur- und Kreativwirtschaft. KI-Tools unterstützen bei der Erstellung und Optimierung von Text, Bild, Audio und Bewegtbild, beschleunigen Produktionsprozesse und eröffnen neue Formen der Prototypen- und Content-Erstellung. In vielen Teilmärkten dient KI bereits als Sparringspartner, der Routineaufgaben übernimmt und Freiräume für kreative und konzeptionelle Arbeit schafft.
Gleichzeitig stehen Fragen des Urheberrechts und der fairen Nutzung kreativer Werke im Mittelpunkt. Der europäische AI Act setzt hier einen ersten Rechtsrahmen, etwa durch Transparenzpflichten beim Training von KI-Modellen und Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte.
Umfragen zeigen, dass ein großer Teil der Kreativschaffenden KI bereits erprobt und in den Arbeitsalltag integriert hat, zugleich aber mit gemischten Erwartungen auf die weitere Entwicklung blickt. KI wirkt damit zugleich transformativ und potenziell disruptiv: Berufsbilder und Geschäftsmodelle verändern sich, neue Tätigkeitsfelder entstehen und Weiterbildungsbedarf nimmt deutlich zu.

Branchentreff Kultur- und Kreativwirtschaft

Am 7. Juli 2025 fand der Branchentreff Kultur- und Kreativwirtschaft in Münster statt. IHK NRW bündelte dort Perspektiven aus Landespolitik, Wissenschaft und Unternehmen. Im Mittelpunkt standen die Rolle der Kreativbranche als Treiber der Transformation, die Auswirkungen technologischer Entwicklungen sowie Anforderungen an zukunftsorientierte Rahmenbedingungen.
Rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Kommunikations- und Werbeagenturen, Design, Musik, Film sowie Softwareentwicklung diskutierten in der B-Side am Hafen aktuelle Transformationsprozesse und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.
Im Impuls unterstrich Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, die strategische Rolle der Kreativwirtschaft als Stabilitätsfaktor. Innovationsgetriebene Ansätze der Branche seien zentral, um technologische, soziale und kulturelle Entwicklungen zusammenzuführen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Angesichts globaler Unsicherheiten betonte sie die Notwendigkeit, etablierte Pfade zu hinterfragen und Transformationsbereitschaft aktiv zu gestalten.
Tatjana Hetfeld, Vizepräsidentin der IHK Nord Westfalen und Geschäftsführerin der RDN Agentur für Public Relations, hob die wirtschaftliche Relevanz der Branche hervor. In Nordrhein-Westfalen generiert die Kreativwirtschaft einen Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro. Allein im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region sind etwa 3.000 Unternehmen sowie rund 10.000 Kleingewerbetreibende tätig. Neben der Wertschöpfung sei insbesondere die Rolle als Impulsgeber für neue Arbeitsweisen, nachhaltige Geschäftsmodelle und interdisziplinäre Kooperationen hervorzuheben.

Kreativität als Motor der Transformation

Im anschließenden Panel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, wie sich die Kreativwirtschaft im Zuge von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz strukturell verändert und welche Impulse sie selbst in andere Branchen trägt. Deutlich wurde: Transformation ist kein isolierter Prozess, sondern ein Zusammenspiel aus Technologie, Unternehmenskultur und regionalen Netzwerken.
Die Keynote von Paula Menninghaus (Strong Partners, Münster) verdeutlichte praxisnah, wie Innovationsdruck Geschäftsmodelle nachhaltig verändern kann. Am Beispiel der Fitness- und Gesundheitsbranche zeigte sie auf, wie Krisen zum Treiber strategischer Neuausrichtung werden können. Vorausgesetzt, Veränderung wird aktiv gestaltet.

Good Practices und regionale Innovationsorte

Unter dem Leitmotiv „Mut zur Veränderung“ stellten Roland Brose (Mausbrand Informationssysteme GmbH, Dortmund) und Jannis Johannmeier (Trailblazers GmbH, Bielefeld) konkrete Transformationsprozesse aus ihren Unternehmen vor. Im Fokus standen strukturelle Anpassungen, neue Geschäftsmodelle und der bewusste Kulturwandel innerhalb der Organisation.
Der abschließende Talk „Creative Places – Zukunft wird vor Ort gemacht!“ lenkte den Blick auf regionale Innovationsräume. Am Beispiel der B-Side in Münster wurde deutlich, welche Bedeutung kollaborative Orte für Vernetzung, Wissenstransfer und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle haben. Beiträge aus Wissenschaft und kommunaler Wirtschaftsförderung unterstrichen die Relevanz institutioneller Begleitung im Transformationsprozess.

Einordnung

Der Branchentreff verdeutlichte, dass Kreativwirtschaft nicht nur Impulsgeber, sondern integraler Bestandteil wirtschaftlicher Transformation ist. Die Branche verbindet technologische Innovation mit kultureller und gesellschaftlicher Perspektive. Ein Ansatz, der angesichts multipler Krisen an strategischer Bedeutung gewinnt.