03.09.2026

IHK-Umfrage: Meinungsbild der NRW-Wirtschaft zum Wettbewerb mit China

Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen nimmt aus Sicht der NRW-Wirtschaft deutlich zu. Eine aktuelle IHK-Umfrage zeigt, wie Unternehmen darauf reagieren und warum sie vor allem ein gemeinsames europäisches Vorgehen gegenüber China erwarten.
Im Rahmen einer bundesweiten DIHK-Umfrage unter in den IHKs ehrenamtlich engagierten Unternehmensvertretern haben sich 248 Unternehmen in Nordrhein-Westfalen zur Wettbewerbssituation gegenüber chinesischen Unternehmen, zu ihren Reaktionen auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck und zu ihren Erwartungen an die europäische Wirtschaftspolitik geäußert.

Wettbewerb mit China betrifft einen Großteil der Unternehmen

Der Wettbewerb mit chinesischen Anbietern hat für viele Unternehmen in Nordrhein-Westfalen spürbar an Bedeutung gewonnen. Insgesamt berichten 76 Prozent der Befragten von einer zunehmenden Konkurrenz aus China.
Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei Unternehmen mit China-Geschäft aus: 92 Prozent der Exporteure nach China, 87 Prozent der Importeure aus China und 90 Prozent der Unternehmen mit Investitionen oder eigenen Standorten in China nehmen wachsenden Wettbewerbsdruck wahr. Aber auch Unternehmen ohne direkte Geschäftsbeziehungen zu China sind betroffen: Von ihnen sieht sich knapp jedes zweite mit zunehmender chinesischer Konkurrenz konfrontiert.
Damit beschränkt sich der Wettbewerb nicht auf den chinesischen Markt. Unternehmen mit China-Geschäft nehmen chinesische Wettbewerber in allen Märkten wahr, im EU-Binnenmarkt, auf Drittmärkten, in China selbst und im Inland. Unternehmen ohne China-Geschäft spüren den Wettbewerbsdruck dagegen besonders häufig auf dem deutschen Markt.

Nicht alle Wettbewerbsnachteile haben ihre Ursache in China

Die Rückmeldungen der Unternehmen zeigen unterschiedliche Ursachen für den zunehmenden Wettbewerbsdruck. Genannt werden unter anderem ein hoher Preis- und Kostendruck durch chinesische Anbieter, deren zunehmende Marktpräsenz in Europa und auf Drittmärkten sowie die hohe Innovationsgeschwindigkeit und steigende Qualität chinesischer Produkte.
Daneben verweisen Unternehmen auf staatliche und regulatorische Wettbewerbsbedingungen, durch die chinesische Anbieter bevorzugt werden können. Gleichzeitig sehen die Befragten aber auch Handlungsbedarf in Deutschland und Europa, insbesondere bei Bürokratie, Genehmigungsverfahren sowie Energie- und Arbeitskosten. Das geht einher mit früheren Umfragen unter Unternehmen aus NRW.
Für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sind deshalb beide Seiten relevant: der Umgang mit Wettbewerbsverzerrungen im Verhältnis zu China und die Verbesserung der eigenen Standortbedingungen.

Unternehmen reagieren mit Innovationen und Kostensenkungen

Die Unternehmen reagieren auf den steigenden Wettbewerbsdruck vor allem mit eigenen Anpassungen. Unter den Unternehmen, die zunehmende Konkurrenz aus China wahrnehmen, setzen 59 Prozent auf Produktinnovationen und 47 Prozent auf Kostensenkungen. 35 Prozent suchen nach zusätzlichen Absatzmärkten.

Europäische Geschlossenheit steht bei den Unternehmen im Vordergrund

Erstmals wurde im Rahmen der IHK-Umfrage auch erhoben, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Europäische Union im Verhältnis zu China ergreifen sollte.
Das deutlichste Ergebnis ist der Wunsch nach einem gemeinsamen und koordinierten europäischen Vorgehen (73 Prozent). Daneben sprechen sich 64 Prozent der Befragten dafür aus, strategische Abhängigkeiten von China zu reduzieren. Mehr als die Hälfte hält zudem einen stärkeren Schutz kritischer Infrastruktur für wichtig.
Bei einzelnen handelspolitischen Instrumenten ergibt sich dagegen kein einheitliches Bild. Rund ein Drittel der Befragten spricht sich für stärkere Handelsschutzmaßnahmen aus. Knapp ein Viertel sieht einen Schwerpunkt darin, Handels- und Investitionshürden abzubauen.

Mehrheit würde Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen mittragen

Eine Mehrheit der Befragten zeigt zugleich eine grundsätzliche Bereitschaft, ein entschlosseneres europäisches Vorgehen gegen Wettbewerbsverzerrungen mitzutragen.
59 Prozent stimmen der Aussage zu oder eher zu, dass die EU stärkere handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen ergreifen sollte – selbst dann, wenn daraus für das eigene Unternehmen negative Folgen entstehen könnten. Dazu können beispielsweise höhere Kosten, Zölle, Gegenmaßnahmen oder Lieferengpässe gehören. 37 Prozent stimmen der Aussage eher nicht oder nicht zu.
Welche konkreten Maßnahmen daraus folgen sollten, lässt sich aus diesem Ergebnis allein nicht ableiten. Zusammen mit den Antworten zu einzelnen Instrumenten zeigt die Umfrage vielmehr, dass die Unternehmen ein gezieltes und europäisch abgestimmtes Vorgehen erwarten.

China bleibt wichtiger Wirtschaftspartner für Nordrhein-Westfalen

Trotz des zunehmenden Wettbewerbs bleibt China für die nordrhein-westfälische Wirtschaft von großer Bedeutung.
2025 war China der zweitwichtigste Importpartner Nordrhein-Westfalens. Waren im Wert von rund 37 Milliarden Euro wurden aus China eingeführt. Auf der Exportseite belegte China mit Ausfuhren von rund 9,1 Milliarden Euro Rang neun unter den wichtigsten Absatzmärkten Nordrhein-Westfalens. Im Jahr 2020 hatte China noch auf Rang drei gelegen.
Die längerfristige Entwicklung zeigt damit eine Verschiebung der Handelsbeziehungen: Während die NRW-Exporte nach China gegenüber 2020 zurückgegangen sind, liegen die Importe deutlich höher als noch vor zehn Jahren.
Zur IHK-Umfrage
Grundlage der NRW-Auswertung ist eine bundesweite Befragung von DIHK und IHKs unter ehrenamtlich engagierten Unternehmensvertretern. An der Befragung vom 20. Juli bis 10. August 2026 beteiligten sich bundesweit 1.325 Unternehmen. Aus Nordrhein-Westfalen liegen Antworten von 248 Unternehmen vor.

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