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Nr. 7006410
Going International 2026
Stimmungsbarometer der NRW-Wirtschaft
Das Stimmungsbild im internationalen Geschäft der Unternehmen in NRW zeigt 2026 ein differenziertes Bild. Nach deutlichen Einbrüchen in den Vorjahren ist in mehreren Kernmärkten eine vorsichtige Stabilisierung zu erkennen. Gleichzeitig bleiben Belastungsfaktoren bestehen, die eine breite Erholung bislang verhindern. Trotz vorsichtiger Wachstumsimpulse prägen das volatile politische und wirtschaftliche Umfeld weiterhin die Geschäftssituation der Unternehmen.
Internationale Geschäftssituation bleibt 2026 verhalten
Im Jahr 2026 bleibt die internationale Geschäftslage über alle Weltregionen hinweg angespannt. Zwar bewertet die Mehrheit der international aktiven Unternehmen ihre aktuelle Lage als befriedigend, dennoch überwiegen insgesamt die negativen Rückmeldungen. Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen liegt bei minus 11 Punkten. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich jedoch eine leichte Verbesserung.
Auch die weltweiten Geschäftsperspektiven haben sich in den vergangenen zwei Jahren leicht aufgehellt. In der Eurozone scheint der Tiefpunkt der konjunkturellen Abschwächung durchschritten. Treiber dieser Entwicklung sind in Deutschland insbesondere hohe Ausgabenprogramme für Infrastruktur und Verteidigung, steuerliche Investitionsanreize sowie verbesserte Finanzierungsbedingungen. In den übrigen EU-Staaten sowie in Asien-Pazifik außerhalb Chinas blicken Unternehmer mit einem leicht positiveren Blick in die Zukunft. Gleichzeitig bleibt das internationale Umfeld fragmentiert. Trotzdem überwiegt insgesamt weiterhin die zurückhaltende bis pessimistische Einschätzung. Zwar rechnen fast zwei Drittel (61 Prozent) der Unternehmen mit einer ähnlich konstanten Lage wie in den Vorjahren. Der Saldo aus besseren und schlechteren Erwartungen beträgt jedoch minus 7 Punkte. Damit liegt er wieder auf dem Niveau von 2019, bleibt aber unter den Werten der Jahre 2020 bis 2022. Belastend wirken weiterhin der Krieg in der Ukraine, der Handelskonflikt zwischen China und den USA, anhaltende Handelshemmnisse sowie zunehmende regulatorische Anforderungen.
Europa erholt sich: Wachstum unter regulatorischen Vorzeichen
Bei den Geschäftserwartungen für die Eurozone zeigt sich gegenüber 2025 eine Trendwende: Der Saldo steigt von minus sechs auf plus drei Punkte. Auffällig ist dabei, dass der Anteil der Unternehmen mit stabilen Erwartungen mit 61 Prozent deutlich überwiegt. Das spricht für eine Phase der Konsolidierung. Europa ist für NRW-Unternehmen ein wichtiger Markt mit zentralen Standortvorteilen. Gleichzeitig nehmen jedoch administrative Anforderungen zu. Neue Berichtspflichten im Bereich Nachhaltigkeit, Lieferkettenanforderungen sowie die Umsetzung des Co2 Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) erhöhen den Compliance-Aufwand erheblich.
Die Unternehmen bewerten auch die aktuelle Geschäftslage in der Eurozone wieder mehrheitlich als mindestens befriedigend. Die deutlichen Einbrüche der Vorjahre – sichtbar in der Fünfjahresbetrachtung – waren in Jahren der Krise von massiver Unsicherheit geprägt. 2026 zeigt sich eine Normalisierung mit sechs Punkten, allerdings auf einem Niveau, welches unter den Vorkrisenjahren liegt. Auch die Geschäftserwartungen innerhalb dieses Wirtschaftsraums sind in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2023 wieder im positiven Bereich (Saldo von 3 Punkten).
Vereinigtes Königreich: Strukturbelastungen nach Brexit bleiben spürbar
Im Vereinigten Königreich verbessert sich das Stimmungsbild gegenüber dem Vorjahr zwar leicht, bleibt insgesamt jedoch strukturell gedämpft. Die Folgen des Brexits belasten das Geschäft weiterhin. Für viele Unternehmen hat der Markt an strategischer Attraktivität verloren. Eine engere Zusammenarbeit in den deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen soll unter anderem durch Maßnahmen wie den im Juli 2025 abgeschlossenen und im März 2026 ratifizierten Freundschaftsvertrag (Kensington-Vertrag) zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich gefördert werden. Dies könnte insbesondere vor dem Hintergrund globaler geopolitischer Spannungen wichtig sein.
Nordamerika: Industriepolitik und Protektionismus prägen das Marktumfeld
Nordamerika bleibt für viele Unternehmen in NRW ein Schlüsselmarkt. Die Gesamterwartungen sind jedoch auch 2026 insgesamt negativ. Besonders das US-Geschäft verschlechtert sich gegenüber dem Vorjahr erneut: Geschäftslage und -perspektive weisen weiter nach unten und liegen 2026 bei minus 23 bzw. minus 26 Saldopunkten.
Hintergrund können local content Anforderungen der USA, „Buy-American“-Vorgaben und (geo-)politisch motivierten Zollerhöhungen sein. Für exportorientierte Unternehmen aus NRW bedeutet das höhere Kosten, mehr regulatorischen Aufwand und erschwerte Wettbewerbsbedingungen, insbesondere gegenüber Unternehmen mit lokaler Produktion in den USA.
Kanada entwickelt sich stabiler. Aufgrund der US-Zollpolitik sucht der kanadische Markt verstärkt nach alternativen Handelspartnern zu den USA und setzt auf engere wirtschaftliche Kooperation mit der EU, u.a. in der Automobilindustrie. Die Unternehmen erwarten überwiegend eine positive Entwicklung: 19 Prozent gehen von besseren Geschäften aus und nur acht Prozent von schlechteren.
Asien im Wandel: Verhaltener Optimismus in China, Dynamik in Indien
Während sich die Geschäftserwartungen für China gegenüber dem Vorjahr leicht verbessern, bleibt die Einschätzung insgesamt verhalten. Nur noch 22 Prozent der dort aktiven Unternehmen bewerten ihre Perspektiven als schlechter, im Vorjahr waren es noch 30 Prozent. Der Markt bleibt attraktiv, ist aber weiterhin mit Risiken verbunden. Exportbeschränkungen, geostrategische Spannungen mit den USA und die konjunkturelle Schwäche Chinas bleiben wesentliche Belastungsfaktoren.
Erstmals abgefragt wurden im Jahr 2026 die Geschäftslage und -perspektive in Indien. Das Ergebnis zeigt deutlich positive Erwartungen. 34 Prozent der betroffenen Unternehmen schätzen ihre Perspektiven als besser ein, 51 Prozent als gleichbleibend. Der Markt profitiert von Investitionen in Infrastruktur und einer Positionierung als alternativer Standort im Zuge globaler Machtverschiebungen durch Abwendung der USA von China. Zusätzliche Impulse für NRW-Unternehmen könnte künftig auch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien geben, das kürzlich verabschiedet wurde und voraussichtlich 2028 in Kraft treten wird.
Auch in der übrigen Asien-Pazifik-Region verbessern sich die Geschäftserwartungen leicht. 21 Prozent der dort aktiven Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung. Gleichzeitig bewerten 18 Prozent ihre Perspektiven als schlechter, nach 27 Prozent im Vorjahr.
Russland: Markt mit dauerhaft eingeschränkter Relevanz
Die Geschäftserwartungen mit Russland bleiben auf einem Tiefpunkt. 64 Prozent der Unternehmen, die noch in nicht sanktionierten Bereichen tätig sind, erwartet einen Rückgang ihrer Geschäfte. Der anhaltende Russland-Ukraine-Krieg wirkt dauerhaft strukturverändernd auf die internationale Ausrichtung der NRW-Wirtschaft. Dadurch ist der Markt für eine große Mehrheit faktisch entfallen.
Afrika: Selektive Chancen, strukturelle Risiken
Die Geschäftserwartungen in Nordafrika und Subsahara-Afrika haben sich gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert, bleiben bei einem weiterhin deutlich negativen Saldo jedoch schwierig. Politische Instabilität, infrastrukturelle und logistische Defizite sowie Finanzierungsengpässe begrenzen das Engagement.
Für Nordafrika rechnen 11 Prozent der dort tätigen Unternehmen mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte, 23 Prozent mit einer Verschlechterung. Für Subsahara-Afrika erwarten 10 Prozent eine Verbesserung, aber 29 Prozent eine Verschlechterung.
Naher Osten: Unsicherheiten verschärfen sich
Noch vor dem Iran-Krieg Ende Februar 2026 ging jedes fünfte Unternehmen von einer Verbesserung der internationalen Geschäfte im Nahen Osten aus. Gestützt wird das durch zweistellige Wachstumsraten der Exporte aus NRW nach Saudi-Arabien sowie den VAE im vergangenen Jahr. Gleichwohl sorgten bereits zuvor anhaltende Konflikte in der Region für Unsicherheit. Diese Lage hat sich aktuell jedoch deutlich verschärft. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind kurzfristig in Form von höheren Energiepreisen und damit steigenden Einkaufs- und Produktionskosten insbesondere für die in NRW stark vertretene energieintensive Industrie spürbar. Inwiefern sich die kriegerischen Auseinandersetzungen auf die Absätze und Investitionen in der Region auswirken, wird sich im Laufe der nächsten Monate zeigen.
Süd- und Mittelamerika: Mercosur als möglicher Impulsgeber
Süd- und Mittelamerika entwickeln sich mit Blick zum Vorjahr moderat positiv. Besonders in den Mercosur-Staaten verbessert sich der Erwartungssaldo deutlich. Der Saldo steigt auf 14 Punkte im Vergleich zum Vorjahr mit minus sieben Punkten. Hintergrund dürften die Hoffnungen auf das EU-Mercosur-Abkommen sein. Dadurch könnte sich der Aufwärtstrend weiter verstärken. Rund ein Viertel der betroffenen Unternehmen rechnet mit besseren Geschäftsperspektiven insbesondere in den Mercosur-Ländern.