Going International 2026

Weltweite Handelshemmnisse nehmen zu und belasten NRW-Unternehmen

Barrieren im Auslandsgeschäft nehmen zu

Für Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen wird das internationale Geschäft spürbar schwieriger. Die diesjährige Going International Umfrage der IHK-Organisation zeigt: 74 Prozent der befragten Unternehmen nehmen weltweit zunehmende Handelshemmnisse wahr.
Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 25 Prozentpunkte. Belastend sind höhere Zölle, lokale Zertifizierungsauflagen, verschärfte Sicherheitsanforderungen sowie strengere Exportkontrollregime. Für Nordrhein-Westfalen hat diese Entwicklung besonders negative Effekte, weil die Wirtschaft eng international verflochten ist und die Industrie in hohem Maß vom Außenhandel abhängt. Gleichzeitig sind die Unternehmen des Industriestandorts Nordrhein-Westfalen besonders häufig von zusätzlichen Handelsbarrieren betroffen.
Barrieren

Höhere Zölle sind die größte Herausforderung im internationalen Handel

Handelskonflikte, wachsender Protektionismus und der strategische Einsatz von Zöllen als politisches Druckmittel verschärfen die Bedingungen im internationalen Handel spürbar. In der Wahrnehmung der Unternehmen sind höhere Zölle inzwischen das größte Handelshemmnis und haben damit die nichttarifären Handelshemmnisse wie Zertifizierungs- und Sicherheitsanforderungen, die in den vergangenen Jahren meist an erster Stelle standen, abgelöst.
Im Jahr 2024 nahmen noch 14 Prozent der Unternehmen steigende Zölle als Hindernis wahr, 2025 waren es bereits 28 Prozent – und das noch vor der Ankündigung weiterer US-Zölle im Frühjahr 2025. Bis 2026 ist der Anteil damit im Vergleich zu 2024 deutlich gestiegen. Wenig überraschend werden in Nordamerika höhere Zölle am häufigsten als Handelshemmnis genannt, nahezu ausschließlich mit Blick auf die USA. Danach folgt mit Abstand die Region Asien-Pazifik, insbesondere China. Auch im Handel mit dem Vereinigten Königreich bleiben Zölle eine relevante Erschwernis.

Lokale Zertifizierungs- und Sicherheitsanforderungen erschweren Marktzugang und Vertrieb

Lokale Zertifizierungsregeln und steigende Sicherheitsanforderungen zählen weiterhin zu den größten Handelshemmnissen im internationalen Geschäft. Sie erschweren Unternehmen den Marktzugang, verzögern Prozesse und erhöhen den Aufwand im Vertrieb.
53 Prozent der befragten Unternehmen bewerten Zertifizierungsanforderungen als große Belastung. Vor allem bürokratische Hürden und lange Verfahren bei der Zulassung von Produkten und Dienstleistungen machen den Markteintritt schwieriger. Aus Sicht der Unternehmen treten diese Herausforderungen besonders häufig in Ländern der Eurozone auf. Auch in der Region Asien-Pazifik, in Nordamerika – insbesondere in den USA – sowie in Indien werden Zertifizierungsvorgaben als handelshindernd wahrgenommen.
Zusätzlich berichten 37 Prozent der Unternehmen von steigenden Sicherheitsanforderungen. Gemeint sind vor allem verschärfte Vorgaben zur Produktsicherheit, die internationale Geschäfte zusätzlich erschweren. Besonders relevant sind diese Anforderungen in Nordamerika, vor allem in den USA, ebenso in der Eurozone und in der Region Asien-Pazifik, wo insbesondere China eine wichtige Rolle spielt.

Verschärfte Exportkontrollen werden zum nichttarifären Handelshemmnis

Exportkontrollregime zählen zu den zentralen nichttarifären Handelshemmnissen, weil sie den internationalen Warenverkehr durch Regulierungen, Verbote und Genehmigungspflichten einschränken oder verzögern. Nahezu ein Drittel der befragten Unternehmen fühlt sich dadurch im internationalen Handel eingeschränkt. In Freitextangaben verweisen Unternehmen vor allem auf komplexe oder wenig transparente Exportregeln, Sanktionen und Genehmigungspflichten für bestimmte Güter, Technologien oder Rohstoffe.
In Nordamerika sieht jedes zweite Unternehmen Exportkontrollen als Handelshemmnis. Dies kann Folge verschärfter geopolitischer Spannungen, sicherheitspolitisch motivierter Handelsbeschränkungen und einer zunehmend strategischen Ausrichtung der Industrie- und Handelspolitik in den USA sein.
Auch die Region Asien-Pazifik wird als Markt genannt, wenn es um den Einsatz von Exportkontrollen als protektionistisches Instrument geht. Innerhalb der Region entfällt mit 29 Prozent ein wesentlicher Anteil auf China. Die Entwicklungen rund um Exportbeschränkungen bei kritischen Rohstoffen haben gezeigt, wie stark deutsche und nordrhein-westfälische Unternehmen in ihren Lieferketten von einzelnen Herkunftsmärkten abhängig sind. Bis auf Weiteres bleibt die strukturelle Abhängigkeit bei wichtigen Rohstoffen und Vorleistungsgütern wie Permanentmagneten weiter bestehen.
Weiterhin verschärfte Exportkontrollregelungen müssen Unternehmen mit Russland-Geschäft berücksichtigen - insbesondere durch die No-Russia- und No-Belarus-Klauseln sind viele Unternehmen mit Exportkontrollbestimmungen konfrontiert, obwohl sie gar kein Russland- oder Belarus-Geschäft haben.

Intransparente Gesetzgebung und Sanktionen bleiben erhebliche Handelsrisiken

Neben klassischen Handelshemmnissen belasten auch regulatorische Unsicherheiten das Auslandsgeschäft. 29 Prozent der Unternehmen nennen intransparente Gesetzgebung als großes Hindernis im internationalen Handel. Vielen Unternehmen fällt es schwer, lokale Gesetzesänderungen, neue Vorschriften und regulatorische Anpassungen in den Zielmärkten vollständig und rechtzeitig zu erfassen. Besonders häufig werden in diesem Zusammenhang Länder der Eurozone genannt (jedes zweite Unternehmen), dicht gefolgt von Nordamerika, insbesondere den USA.
Sanktionen werden im Vergleich zu den Vorjahren zwar etwas seltener als Handelshemmnis aufgeführt, bleiben jedoch eine große Herausforderung für international tätige Unternehmen. Sie wirken sich insbesondere auf Geschäfte mit Russland, dem Nahen Osten und der Region Asien / Pazifik aus.

Local-Content-Vorgaben erhöhen den Anpassungsdruck für internationale Unternehmen

Rund jedes fünfte Unternehmen sieht sich mit solchen Vorgaben konfrontiert, in den USA sogar etwa jedes zweite. Auch in der Region Asien-Pazifik werden Local-Content-Anforderungen besonders häufig genannt, mit einem hohen Anteil in China. Die USA schotten sich durch die Ausweitung industriepolitischer Instrumente wie „Buy American, Hire Amercian“ und eine insgesamt stärker protektionistische Handelspolitik zunehmend nach außen ab und stärken vor allem die heimische Produktion. Gleichzeitig setzen auch China und weitere Staaten verstärkt auf lokale Fertigung.
Für ausländische Unternehmen steigt damit der Druck, vor Ort zu produzieren, um ihre Produkte weiterhin auf diesen Märkten verkaufen zu können. Das erhöht Investitionsrisiken, erschwert den Marktzugang und verändert internationale Standortentscheidungen zulasten exportorientierter Unternehmen.
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