IHK NRW
Sachverständigentag NRW: IHKs stärken Austausch zwischen Sachverständigen, Justiz und Wirtschaft
Erfolgreiche Premiere mit über 400 Teilnehmern
Was passiert, wenn ein Gericht vor einer komplexen technischen Frage steht, ein Unternehmen einen Schaden bewerten lassen muss oder es bei einem Bauvorhaben um fachliche Details geht? Dann ist unabhängiger Sachverstand gefragt. Wie wichtig öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Rechtssicherheit und verlässliche Entscheidungen sind, wurde beim ersten Sachverständigentag von IHK NRW gestern in Essen deutlich. Über 400 Teilnehmer diskutierten über aktuelle Herausforderungen, neue Technologien und die Zukunft des Sachverständigenwesens zu diskutieren.
Nach der Eröffnung durch Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW, gab Dr. Benjamin Limbach, Minister der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen, mit seinen Grußworten den Auftakt für einen Tag mit zahlreichen Diskussionen und Gesprächen.
Er betonte, dass die Arbeit der Justiz ohne Sachverständige nicht denkbar sei und ihre Unabhängigkeit, Zuverlässigkeit und besondere Sachkunde eine wichtige Grundlage für Vertrauen, Akzeptanz, Rechtssicherheit und Rechtsfrieden bildeten. Zugleich würdigte er ihren Beitrag zur Entlastung der Justiz und hob hervor, dass die hohe Qualität ihrer Beweisaufnahme auch für einen verlässlichen digitalen Zivilprozess unverzichtbar sei.
Podiumsdiskussionen, Praxisberichte und Best-Practice-Beispiele gaben Einblicke in aktuelle Herausforderungen und die Zukunft des Sachverständigenwesens. Im Mittelpunkt standen die Erwartungen der Justiz, Fragen der Qualitätssicherung sowie die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz und die damit verbundenen Veränderungen für die Arbeit von Sachverständigen waren wichtige Themen. In den Pausen wurde der Austausch fortgesetzt und es wurden neue Kontakte geknüpft.
„Sachverständige sind vielleicht nicht immer auf den ersten Blick sichtbar, aber sie sind eine wichtige Säule unseres Rechts- und Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen. Wo komplexe technische, wirtschaftliche oder bauliche Fragen geklärt werden müssen, braucht es unabhängigen und verlässlichen Sachverstand“, sagte Dr. Ralf Mittelstädt.
Wie groß der Bedarf an dieser Expertise ist, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2025 haben die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen insgesamt 5.694 Sachverständige gegenüber Gerichten benannt. Aktuell sind rund 1.350 Sachverständige öffentlich bestellt und vereidigt. Ihr Fachwissen reicht von Bauwesen, Kfz und Immobilienbewertung bis hin zu spezialisierten Bereichen wie Akustik, Werkstoffen oder Windenergieanlagen.
Zwischen Tradition und neuen Technologien
Der Sachverständigentag machte deutlich: Das Berufsbild ist im Wandel. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten, zugleich steigen die Anforderungen an Qualität, Unabhängigkeit und persönliche Verantwortung.
„Die Tätigkeit als Sachverständiger verbindet fachliche Expertise mit großer Verantwortung. Gerade weil sich die Anforderungen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern, müssen wir darüber sprechen, wie Qualität, Unabhängigkeit und Vertrauen auch künftig gesichert werden können. Der Sachverständigentag bot dafür die richtige Plattform“, sagte Bernd Falge, Fachpolitischer Sprecher Sachverständigenwesen von IHK NRW.
Dabei kommt den IHKs eine besondere Rolle zu. Mit der öffentlichen Bestellung und Vereidigung prüfen sie die fachliche Qualifikation und persönliche Eignung der Sachverständigen und setzen damit hohe Standards. Gleichzeitig bringen sie Sachverständige, Gerichte und Wirtschaft miteinander in Kontakt.
„Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige schaffen Vertrauen und Rechtssicherheit. Sie helfen Gerichten, komplexe Fragestellungen fundiert zu bewerten, tragen zur schnellen Klärung von Streitfällen bei und unterstützen Unternehmen und Privatpersonen dabei, Konflikte möglichst früh zu vermeiden“, so Mittelstädt.
Nachwuchs gesucht
Auch die Frage, wie künftig ausreichend qualifizierte Sachverständige gewonnen werden können, prägte die Diskussionen. IHK NRW will deshalb erfahrene Fachkräfte aus Industrie, Handel und Technik stärker für die Tätigkeit als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige gewinnen.
„Wir möchten zeigen, wie spannend, vielfältig und verantwortungsvoll die Tätigkeit als Sachverständiger ist. Der große Zuspruch zum ersten Sachverständigentag zeigt, dass das Interesse an Austausch und Weiterentwicklung groß ist. Jetzt kommt es darauf an, diesen Dialog fortzusetzen und noch mehr Fachkräfte für diese wichtige Aufgabe zu begeistern“, betonte Bernd Falge.
Die Premiere in Essen hat ein deutliches Signal gesetzt: Sachverstand wird gebraucht – und der Austausch darüber ebenso. Der Sachverständigentag von IHK NRW soll deshalb der Auftakt für einen regelmäßigen Dialog zwischen Sachverständigen, Justiz, Wirtschaft und den Industrie- und Handelskammern sein.
Interesse am Sachverständigenwesen? Wer selbst Sachverständiger werden möchte oder einen Ansprechpartner in Nordrhein-Westfalen sucht, findet weitere Informationen unter www.ihk-nrw.de/sachverstaendigenwesen.