Außenwirtschaft
IHK-Umfrage: NRW-Unternehmen erwarten europäische Geschlossenheit im Wettbewerb mit China
Der Wettbewerbsdruck aus China nimmt aus Sicht der nordrhein-westfälischen Wirtschaft deutlich zu. Das zeigt die NRW-Auswertung einer aktuellen bundesweiten IHK-Umfrage.
76 Prozent der Befragten nehmen eine zunehmende Konkurrenz aus China wahr. Unter den Unternehmen, die nach China exportieren, sind es sogar neun von zehn.
„China ist im Jahr 2025 der zweitwichtigste Importpartner Nordrhein-Westfalens. Viele Unternehmen sind auf chinesische Vorprodukte, Produkte oder Rohstoffe angewiesen und stehen zugleich in zunehmendem Wettbewerb mit chinesischen Anbietern“, sagt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW.
„Der steigende Wettbewerbsdruck aus China trifft auf schwierige Standortbedingungen in Deutschland. Deshalb müssen wir für unsere Unternehmen beides im Blick behalten: faire Wettbewerbsbedingungen und die Stärkung des eigenen Standorts“, ergänzt Mittelstädt.
Auch die Freitextantworten und frühere Umfragen zeigen Handlungsbedarf, insbesondere bei Bürokratie, Genehmigungsverfahren sowie Standortkosten, etwa für Energie und Arbeit.
Unternehmen erwarten ein gemeinsames europäisches Vorgehen
„Die EU sollte geschlossen auftreten, einseitige Abhängigkeiten verringern und gegen nachweisbare Wettbewerbsverzerrungen wirksam vorgehen“, so Mittelstädt.
Die Umfrage stützt diese Erwartung: 73 Prozent der Befragten halten ein gemeinsames und koordiniertes außenwirtschaftspolitisches Auftreten der EU für wichtig. 64 Prozent sprechen sich dafür aus, strategische Abhängigkeiten von China zu reduzieren.
„China bleibt für viele Unternehmen ein wichtiger Absatz-, Beschaffungs- und Innovationsmarkt. Deshalb gilt: Kooperation, wo sie möglich ist, und Durchsetzungsfähigkeit, wo sie notwendig wird“, sagt Ralf Schlindwein, Fachpolitischer Sprecher für Außenwirtschaft bei IHK NRW.
59 Prozent der Befragten würden handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen auch dann mittragen, wenn das eigene Unternehmen mit negativen Folgen rechnen müsste. Das zeigt eine grundsätzliche Bereitschaft zu einem entschlosseneren europäischen Vorgehen.
Bei den konkreten Instrumenten zeigt sich ein differenziertes Bild: Rund ein Drittel befürwortet stärkere Handelsschutzmaßnahmen, knapp ein Viertel setzt auf den Abbau von Handels- und Investitionshürden.
Für IHK NRW ist das kein Widerspruch: Es geht darum, europäische Interessen zu schützen und zugleich bessere Marktzugangsbedingungen zu schaffen.
Hintergrund:
Grundlage für die Ergebnisse ist eine Befragung der DIHK und der IHKs unter ehrenamtlich engagierten Unternehmensvertretern. An der Umfrage vom 20. Juli bis 10. August 2026 beteiligten sich bundesweit 1.325 Unternehmen, darunter 248 aus Nordrhein-Westfalen.
Die Gesamtergebnisse der NRW-Auswertung finden Sie hier: