Corona und Brexit bremsen Außenhandel der NRW-Wirtschaft

IHK-Umfrage: Jedes zweite Unternehmen spürt Zunahme von Handelshemmnissen im internationalen Geschäft

Das Jahr 2020 war ein schwieriges Jahr für die exportorientierte Wirtschaft. Die NRW-Exporte sind um ganze neun Prozent auf 176,2 Milliarden Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren zurückgegangen. „Die Pandemie und der Brexit bremsen die internationalen Geschäfte aus“, sagt Ralf Stoffels, Präsident von IHK NRW.

Die aktuelle IHK-Umfrage “Going International 2021” unter auslandsaktiven Unternehmen belegt das negative Stimmungsbild der NRW-Wirtschaft. Demzufolge belasten besonders die Bürokratie, die Corona-Folgen und der Brexit das Auslandsgeschäft von Unternehmen aus NRW. Die Hälfte der Unternehmen spürt eine Zunahme von Handelshemmnissen im internationalen Geschäft. „Verstärkte Sicherheits- und lokale Zertifizierungsanforderungen, sowie höhere Zölle oder Sanktionen belasten die Unternehmen, die bereits unter der Corona-Pandemie leiden zusätzlich“, so Stoffels. Gleichzeitig zieht China im Rang der wichtigsten Exportländer NRWs an den USA vorbei und steigt von Rang vier auf Rang drei auf.

Reisebeschränkungen sind das Hauptproblem

Unter den Reiseeinschränkungen leiden mehr als drei Viertel der Unternehmen. Hinzu kommt: Knapp jedes zweite der exportorientierten Unternehmen kämpft in der Eurozone, China und dem Vereinigten Königreich mit Liefer- und Produktionsausfällen. Die Einschränkungen des Wirtschaftsverkehrs zu Nachbarländern belasten die Wirtschaft zusätzlich.

75 Prozent der betroffenen Unternehmen leiden unter der Absage von Messen und Veranstaltungen. „NRW ist ein internationaler Messestandort, die Absagen treffen Veranstalter, Unternehmen und auch indirekt Beteiligte wie Messebauer besonders hart. Unternehmen aus diesen Branchen benötigen weiterhin eine klare Perspektive und zeitnahe Öffnungsmöglichkeiten“, betont Stoffels.

Brexit erschwert das UK-Geschäft

Das Vereinigte Königreich (UK) zählt zu den wichtigsten Handelspartnern NRWs. Die IHK-Befragung zeigt jedoch ein düsteres Stimmungsbild und schlechte Aussichten für Geschäfte mit dem Vereinigten Königreich: Die Geschäftssituation wird von über 60 Prozent der betroffenen Unternehmen als schlecht eingestuft. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwarten eine zunehmende Verschlechterung im Jahr 2021. Zollbürokratie (75 Prozent), Hürden in der Logistik (60 Prozent) und tarifäre Handelshemmnisse (50 Prozent) werden als größte Probleme genannt.

Lieferketten werden zur Herausforderung

Über zwei Drittel der Unternehmen geben an, Anpassungen an ihren Lieferketten vorzunehmen. Stoffels mahnt: „Unternehmen sind auf stabile Lieferketten angewiesen. Die bereits jetzt schon stark durch die Corona-Pandemie belastete Wirtschaft wird zusätzlich auch noch durch das Lieferkettengesetz stark gefordert.“


Hintergrund: Die Umfrage „Going International“ wird jährlich durch den DIHK mit Unterstützung der 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland erstellt. Die aktuelle Bundesauswertung bezieht sich auf rund 2.300 auslandsaktiven Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Die Auswertung für NRW basiert auf Antworten von 432 Unternehmen.


IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.