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Wirtschaftsspionage: Thema beim IHK-Außenwirtschaftstag
„Nordrhein-Westfalen ist als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie für fremde Nachrichtendienste außerordentlich attraktiv“, bestätigte Reinhard Vesper vom Verfassungsschutz NRW bei einem Pressegespräch der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen am 19. August 2010. Für viele Unternehmen ist es längst eine lästige Pflicht, sich mit nachgemachten Produkten ausländischer Wettbewerber auseinander zu setzen. Dass sie aber auch gezielt von ausländischen Geheimdiensten ausgespäht werden, das können sich viele mittelständische Unternehmen nicht vorstellen.
„Gerade die zahlreichen Hidden Champions in Nord-Westfalen, die sich in ihren speziellen Nischen zu internationalen Markt- und Technologieführern entwickelt haben, laufen Gefahr, Opfer zielgerichteter Wirtschaftsspionage zu werden“, betont Prof. Dr. Bodo Risch. Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer, der auch für Außenwirtschaft zuständig ist, hält es für eine Illusion zu glauben, nur große Technologiekonzerne seien betroffen: „Mit dem Exporterfolg wächst das Interesse ausländischer Nachrichtendienste am Know-how der Unternehmen aller Größenklassen.“ Die IHK unterstützt deshalb mit Nachdruck die Aufklärungsbemühungen des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes und bietet am 21. September 2010 beim IHK-Außenwirtschaftstag NRW in Münster einen Workshop zum Thema Sicherheit im Auslandsgeschäft an.
Betroffen von Wirtschaftsspionage seien alle Branchen, so Verfassungsschützer Vesper, wobei besonders Maschinenbau, Chemie, Luft- und Raumfahrt, Materialforschung und Energieeffizienz im Visier der Wirtschaftsspione sind. Dabei gehe es nicht nur um Produkte, sondern auch um technische Informationen und Unternehmensstrategien, die von wirtschaftlichem Wert sind. Diese werden dann gezielt über die Nachrichtendienste den Konkurrenten deutscher Unternehmen im Ausland zugespielt.
Der Schaden, der durch Wirtschaftsspionage entsteht, wird auf 50 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Fachleute vermuten, dass jede fünfte deutsche Firma schon einmal betroffen war, was die Unternehmen allerdings nicht einmal selbst gemerkt haben müssen. Die Dunkelziffer ist naturgemäß hoch. Für den Außenwirtschaftsexperten Professor Risch ist deshalb klar, „dass auch Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region durch Wirtschaftsspionage bereits geschädigt worden sind“.
Laut Verfassungsschutzbericht 2009, so Vesper, sind es vor allem die Nachrichtendienste Russlands und Chinas, die in Deutschland aktiv sind. Immer stärker treten zudem Länder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas auf. Aber auch viele andere Länder haben und nutzen ihre Möglichkeiten zur illegalen Ausforschung deutscher Unternehmen.
Die betroffenen Betriebe werden auf sehr verschiedenen Wegen angezapft, häufig begünstigt durch Mängel in der IT-Sicherheitstechnik und deren Anwendung. Der Einstieg gelingt oft über das Internet, verschenkte USB-Sticks oder CDs. Oder es sind Praktikanten, die wichtige Informationen mitgehen lassen. Eine besondere Schwachstelle, so der Verfassungsschutzexperte Vesper, sind Mitarbeiter auf Auslandsreisen, die sensible Informationen oft unzureichend geschützt auf mobilen Datenträgern mitführen.
Trotz der hohen Zahl von geschädigten Unternehmen bleibe das Thema vor allem im Mittelstand leider ein Tabu, so Vesper. Die Angst vor einem Imageschaden im Falle des Bekanntwerdens sei verständlich. Dennoch appelliert Vesper an die Unternehmen, in jedem Fall den Verfassungsschutz zu kontaktieren - und sicherte Vertraulichkeit zu. Der Verfassungsschutz könne die Unternehmen beraten und auf ihre Sicherheitslücken aufmerksam machen.


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