Studie "Von Generation zu Generation: Nachfolgegeschehen in NRW"

Gut 200.000 Unternehmer und Selbstständige in NRW suchen bis 2025 einen Nachfolger

  • Studie von IHK NRW untersucht erstmals Facetten der Unternehmensnachfolge
  • Rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer in NRW betroffen
  • Die Mehrzahl der Unternehmen bleibt in Familienhand
  • „Existenzielle Frage für die Wirtschaft in unserem Land“

In Nordrhein-Westfalen stehen aktuell rund 265.000 Unternehmer und Selbstständige vor der Herausforderung, in den kommenden zehn Jahren einen Nachfolger für die Leitung ihres Betriebes und Geschäftes zu finden. Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten erweist sich dabei als ein komplexer und oft langwieriger Prozess. Eine Studie von IHK NRW hat nun erstmals die Thematik untersucht und für jede einzelne Phase die wichtigsten Fragestellungen aufgearbeitet. „Es geht dabei um ein Thema, das für die Wirtschaft in unserem Land von existenzieller Bedeutung ist“, sagt Ralf Kersting, der Präsident von IHK NRW. „Die betroffenen Unternehmen beschäftigen aktuell rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer. Und die Nachfolgesuche entscheidet auch darüber, ob diese Arbeitsplätze erhalten bleiben.“

Bei der Erstellung der Studie arbeitete IHK NRW mit der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) Paderborn/Bielefeld und dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid zusammen. Die FHDW bereitete dabei erstmal die statistischen Grundlagen auf, die zeigen, wie virulent das Thema ist. Im Anschluss befragte TNS Emnid in mehr als 1000 Telefoninterviews eine repräsentative Auswahl der Seniorunternehmen (älter als 55 Jahre) in NRW über ihre Motive, Herangehensweise und Zielsetzungen bei der Nachfolgesuche. Die Unternehmen lassen sich vier Kategorien zuordnen: In Unternehmer, (1) die sich noch nicht mit dem Thema befassten, in solche, (2) die sich gerade auf die Übergabe vorbereiten, weiterhin in die Gruppe derjenigen, (3) die gerade bei der Übergabe („Stabwechsel“) waren und schließlich in diejenigen, (4) die ihren Betrieb stilllegten, weil sich die Fortführung des Betriebs nicht lohnen wird. Die Gruppen unterscheiden sich nach Alter und der Unternehmensgröße, nicht aber nach dem Geschlecht des Inhabers.

Als eines der wichtigsten Ergebnisse zeigt die Studie auf, dass zwei Drittel der Unternehmer in NRW ihren Betrieb in der eigenen Familie belassen, bei der ganz überwiegenden Mehrheit der familieninternen Lösungen bleibt auch die Führung des Unternehmens in familiärer Hand. In sieben Prozent der Fälle fiel die Entscheidung in Richtung eines Management-Buy-outs, in elf Prozent auf die Übergabe an eine externe Person und in zehn Prozent auf einen Verkauf.

Doch die Entscheidung für eine familieninterne Lösung fällt dabei nicht automatisch. Unternehmer, die sich noch nicht mit dem Stabwechsel beschäftigt haben, gingen nur zu 35 Prozent davon aus, dass ihr Unternehmen in Familienhand bleibt – ein Zeichen, dass Unternehmer die Übergabe anfangs anders einschätzen. Fast die Hälfte der Befragten hatte keine Vorstellung, wie lange der Übergabeprozess dauern wird, ein deutliches Indiz, dass die Komplexität des Stabwechsels nur schwer zu erfassen ist. So fühlt sich denn auch weniger als die Hälfte der Unternehmer zu Beginn des Nachfolgeprozesses gut oder gar sehr gut vorbereitet; ein Ergebnis, das sicherlich auf deutlichen Beratungsbedarf hindeutet.

Zehn Prozent der befragten Unternehmer gehen davon aus, dass sie ihren Betrieb nicht mehr weiterführen, also stilllegen werden. Hierbei handelt es sich insbesondere um kleinere Unternehmen: 91 Prozent dieser Gruppe führen ein Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern. Bei mehr als der Hälfte der Befragten ist das Motiv für diese Entscheidung, dass es sich nicht lohnen würde, die Geschäfte weiterzuführen. 39 Prozent geben an, keinen Nachfolger gefunden zu haben, und zwar sowohl keinen externen Käufer als auch keinen Mitarbeiter.

„Die vorliegende Studie gibt wichtige Hinweise, in welchen Bereichen die Industrie- und Handelskammern in NRW ihre Beratung weiter ausbauen werden“, sagt IHK NRWPräsident Ralf Kersting. „Hierbei geht es in erster Linie um die Begleitung während des Nachfolgeprozesses, aber auch um konkrete Unterstützung bei der Suche nach einem Nachfolger.“

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NordrheinWestfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.