Oft fehlen die Auszubildenden!

In vielen Regionen in NRW fehlen nicht mehr Ausbildungsplätze, sondern Auszubildende! Immer mehr Unternehmen können angebotene Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen. Dies belegt die IHK-Ausbildungsumfrage: Fast jeder fünfte Betrieb in NRW musste mangels geeigneter Bewerber im vergangenen Jahr Ausbildungsstellen unbesetzt lassen. Bundesweit dürften ca. 70.000 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Dabei stehen die Unternehmen zur dualen Ausbildung: Der Großteil der Unternehmen (ca. 80 Prozent) gibt an, im selben Umfang wie im Vorjahr ausbilden bzw. sogar noch mehr Ausbildungsplätze anbieten zu wollen. Die aktuelle Ausbildungssituation zum 30.06.2013 zeigt landesweit bei den IHKs noch stabile Zahlen bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. So wurden bis Ende Juni bei den IHKs in NRW 42.239 Ausbildungsverhältnisse registriert. Das sind 172 Verträge weniger als im Vorjahr (0,4 Prozent). Rückgänge gibt es vor allem im für die industrielle Entwicklung wichtigen Bereich der Metallberufe (minus 5,68 Prozent). Dieser Rückgang ist unter anderem auf konjunkturelle Probleme im Bereich der KFZ-Zulieferer sowie der Stahlbranche zurückzuführen. Dennoch besteht hier ein besonderer Bedarf auch im Hinblick auf die Fachkräftesicherung der Unternehmen. Gleichermaßen sind hier allerdings auch interessierte und motivierte Jugendliche gesucht. Noch stärker trifft das mangelnde Interesse der Jugendlichen an dualer Ausbildung das Gastgewerbe, bei welchem Ende Juni 2013 der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 6,17 Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen betrug. Kompensiert werden die Rückgänge in diesen Branchen durch leichte Steigerungen der registrierten Verträge in den Branchen Handel, Banken und der naturwissenschaftlichen Berufe. Erfreulich ist, dass der Anteil der weiblichen Auszubildenden in den Unternehmen von Handel, Industrie und Dienstleistungen weiter steigt. Insgesamt 39 Prozent der neuen Aus-zubildenden im IHK-Bereich sind inzwischen Frauen. „Wir brauchen mehr positive Signale für die Chancen in der dualen Berufsausbildung“, betont der Bildungsexperte der IHK NRW, Franz Roggemann, „in vielen Schulen wird die Berufsorientierung immer noch vernachlässigt, weil man hofft, dass viele Schülerinnen und Schüler den Weg in eine weitere schulische Laufbahn wählen.“ Die Wirtschaft hat ihre Akti-vitäten zur Steigerung der Attraktivität von dualer Erstausbildung deutlich verstärkt. Jetzt brauchen wir den Schulterschluss auch mit den politischen Entscheidungsträgern. Man kann nicht am Vormittag zusätzliche Ausbildungsplätze von der Wirtschaft fordern und am Nachmittag die bedingungslose Erhöhung der Akademikerquote predigen. „Deshalb müsse das „Neue Übergangssystem Schule – Beruf“ konsequent und schnell in allen Kommunen in NRW umgesetzt und eine dauerhafte Finanzierung sichergestellt werden“, fordert Roggemann.