NRW-Unternehmen blicken weiterhin mit großer Skepsis auf die Energiewende

NRW-Unternehmen blicken weiterhin mit großer Skepsis auf die Energiewende IHK NRW stellt Ergebnisse des Energiewende-Barometers NRW 2015 vor

Die NRW-Unternehmen sehen in der Energiewende mehr Risiken als Chancen im Hinblick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. So lautet der zentrale Befund des EnergiewendeBarometers NRW 2015, den IHK NRW jetzt vorgestellt hat.

Für mehr als 30 Prozent der befragten Unternehmen in NRW überwiegen derzeit die negativen Folgen der Energiewende. Nach den Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit gefragt, geben 23,6 Prozent an vorwiegend negative Folgen und 6,7 Prozent sogar sehr negative Folgen zu verzeichnen. Positive bzw. sehr positive Auswirkungen erkennen dagegen zusammen nur ca. 10 Prozent der befragten Unternehmen. Daraus ergibt sich ein Gesamt-Barometerwert1 für 2015 von minus 13,2 Prozent. „Das Ergebnis zeigt, dass die Unternehmen bei der Energiewende weiterhin mehr Schatten als Licht sehen“, sagt Stefan Schreiber, IHK-Federführer Energie und Klimaschutz NRW.

Zwar fällt die Bewertung der NRW-Unternehmen damit insgesamt etwas besser aus als im Vorjahr2. Doch trotz dieser Verbesserung werden nach wie vor in keinem anderen Bundesland die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen so kritisch bewertet wie in NRW3. „Das liegt vor allem daran, dass NRW mit einem hohen Industriebesatz die deutsche Energieregion Nr. 1 ist“, erklärt Schreiber, „die Betroffenheit durch die Energiewende ist daher besonders groß.“ Dies wird durch die besonders kritischen Bewertungen unterstrichen: Über die Hälfte der Industrieunternehmen gaben an, entweder negativ (35,9 Prozent) oder sehr negativ (14,9 Prozent) von der Energiewende betroffen zu sein.

Eine Ursache der anhaltenden Skepsis ist die Sorge um die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit. Fast jedes vierte Industrieunternehmen (24 Prozent) musste im vergangenen Jahr Probleme bei der Stromversorgung verzeichnen. Bei 14,5 Prozent hat dies zu Beeinträchtigungen in der Produktion geführt.

Ein weiterer Hauptgrund des negativen Meinungsbildes der Unternehmen liegt in dem weiterhin hohen Niveau der Energie- bzw. Strompreise. Für 42,3 Prozent der Unternehmen (Industrie: 50 Prozent) hat die Einsparung von Energie in den letzten 12 Monaten an Bedeutung gewonnen.

„Die Sorge der Unternehmen im Hinblick auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung zeigt, wie sehr die Politik beim Management der Energiewende gefordert ist“, betont Dr. Matthias Mainz, Geschäftsführer von IHK NRW.

Auch aus Sicht der Unternehmen besteht weiterhin großer politischer Handlungsbedarf. An erster Stelle sehen die Unternehmen dabei die Notwendigkeit, den Netzausbau weiter zu unterstützen (77,6 Prozent) und dafür die Planungs- und Genehmigungsverfahren (67,2 Prozent) zu beschleunigen. Mit dem Ziel, die Versorgungs- und Planungssicherheit zu erhöhen, setzen viele Unternehmen (63,2 Prozent) auf eine stärkere Abstimmung der politischen Maßnahmen. Darüber hinaus erwarten die Unternehmen aber auch ein stärkeres Einwirken auf die Entwicklung der Strompreise, etwa durch eine Reduktion der Steuern und Abgaben (63,2 Prozent).

Das Energiewende-Barometer macht deutlich, dass die Unternehmen jedoch auch selbst zahlreiche Maßnahmen ergreifen, um den Herausforderungen der Energiewende zu begegnen. Bereits 78,2 Prozent der Unternehmen haben auf die Veränderungen in der Energiewirtschaft und -politik durch Maßnahmen reagiert. Bei den Industrieunternehmen liegt der Anteil bei 93,4 Prozent.

Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt dabei auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. 25,4 Prozent der Unternehmen haben bereits solche Maßnahmen realisiert, 36,2 Prozent befinden sich in der Umsetzung und 19,5 Prozent planen Maßnahmen. Hier erscheint den Unternehmen die Qualifizierung der Mitarbeiter als besonders wichtig.

Über die Hälfte der befragten Unternehmen (53,1 Prozent) plante zum Zeitpunkt der Befragung einen Wechsel ihres Lieferanten oder Versorgers bzw. hat einen solchen bereits vollzogen. Fast ebenso viele (52,1 Prozent) bemühen sich um langfristige Lieferverträge. 44,4 Prozent der Unternehmen treffen Vorkehrungen gegen mögliche Stromausfälle. Bei den Industrieunternehmen liegt das Engagement in allen Maßnahmenbereichen noch höher.

Um die zentralen Auswirkungen der Energiewende auf die Unternehmen zu untersuchen, führen die IHKs seit 2012 mit dem Energiewende-Barometer ein bundesweites Monitoring durch. In die Untersuchung fließen die Antworten von über 2.200 Unternehmen ein. Zum zweiten Mal liegt nun auch eine Auswertung für das Land NordrheinWestfalen vor. Allein aus NRW haben sich über 400 Unternehmen aus allen Branchen an der Befragung beteiligt. Ein Schwerpunkt liegt dabei mit fast 200 Unternehmensantworten auf der Industrie.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.