Klarer Blick auf ein großes Problem - IHKs: Fachkräftemonitor NRW steigert nach Update Prognosequalität

Bereits heute fällt es nach Umfragen der Industrie- und Handelskammern (IHK) in NRW jedem dritten Unternehmen schwer, passende Fachkräfte für offene Stellen zu finden. Dass es in Zukunft eher noch enger wird, zeigt der IHK-Fachkräftemonitor NRW, kurz FKM. In einem umfangreichen Update wurden jetzt zusätzliche aktuelle Datenbestände integriert, so dass der FKM noch aussagekräftigere Vorhersagen liefert.

Das Prognoseinstrument, das detaillierte Angaben für die Regionen NRWs, 19 Hauptbranchen und 50 Berufsgruppen bietet, liefert neue Erkenntnisse, wie sich die Fachkräftesituation verändert: Auf der einen Seite steigt die Zahl der Hochschulabgänger, so dass sich der Mangel an akademisch qualifizierten Fachkräften etwas entspannt; auf der anderen Seite wird deutlich, dass das Hauptproblem die Lücke bei den beruflich Qualifizierten liegen wird. Der Anteil der gesuchten Fachkräfte, die beruflich etwa im Dualen System ausgebildet sind, steigt von 88 Prozent (2015) über 92 Prozent (2020) auf 96 Prozent (2030).

Mit dem umfänglichen Update ist das internetbasierte Instrument der nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern noch aussagekräftiger geworden: „Es war uns von Anfang an wichtig, immer die aktuellsten Datenbestände in die Vorschau zu integrieren“, sagt Franz Roggemann, Geschäftsführer Bildung der IHK NRW und Betreuer des im vergangenen Jahr gestarteten Projekts. Das sei „mit dem FKM 2.1“ in einem besonders großen Schritt gelungen.

Die Verantwortlichen heben vor allem die Integration neuer Langfristtrends der Prognos AG bis zum Jahr 2030 hervor, die den Prognose-Horizont um fünf Jahre erweitert. „Die Vorgängerversion wurde noch ohne die Einflüsse der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise erstellt“, erklärt Roggemann. „Die neuen Daten zeigen einen weniger starken Anstieg in der Fachkräftenachfrage an, der sich auch in den Langfristprognosen des FKM bemerkbar macht.“ Genauer werden die Ergebnisse durch die Aufspaltung der „Sonstigen Dienstleistungen“. Konjunkturunabhängige Bereiche wie das Gesundheitswesen oder der öffentliche Dienst werden nun separat ausgewiesen. Eingearbeitet wurden zudem neueste Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz, die eine deutliche Veränderung der Studienzahlen zeigt: In den kommenden Jahren werden mehr Absolventen erwartet als noch bei der vergangenen Prognose ange-nommen wurden.

„Grundsätzlich ändert sich dadurch aber leider nichts an den großen Herausforderungen für die Wirtschaft – die Lücke bei den beruflich qualifizierten Fachkräften wird relativ sogar noch größer“, betont der Geschäftsführer Bildung der IHK NRW, die Interessenvertretung der 16 IHKs im Bundesland ist. Bestimmend bleibe die demografische Entwicklung, die besonders ab 2020 zu ganz erheblichen Engpässen im Fachkräftebereich führen werde: Auf NRW-Ebene fehlen in 2020 unabhängig von der Konjunktur rund 20.000 akademisch und 223.000 beruflich qualifizierte Fachkräfte. 2030 werden die beruflich qualifizierten Fachkräfte noch knapper – denn dann machen sie 97 Prozent des Gesamtdefizits von 678.000 aus.

Unter der Internetadresse www.fachkraefte-nrw.de kann sich jeder Interessierte mit wenigen Mausklicks selbst ein Bild über die prognostizierte Fachkräfte-Situation in den verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens machen. Auch Daten der Bundesagentur für Arbeit, des Sta-tistischen Bundesamts und des Statistischen Landesamts NRW werden berücksichtigt. Das Datenvolumen beläuft sich insgesamt auf mehrere hundert Gigabyte.