IHK NRW veröffentlicht Jahresbericht 2015: Die Flüchtlingskrise vor der Brust - Investitionsbremse lösen

Die Integration der Flüchtlinge in Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Aufwertung der dualen Ausbildung bleiben die wichtigsten Herausforderungen im Land NordrheinWestfalen für das Jahr 2016. Zunehmend besorgniserregend ist die mangelnde Dynamik in NRW. Den aktuellen Konjunkturumfragen der IHKs in NRW folgend sieht fast die Hälfte der befragten Unternehmen in NRW die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in NRW als größtes wirtschaftliches Risiko - ein deutliches Zeichen, dass es den Unternehmen im Land an Vertrauen mangelt. In ihrem Jahresbericht zieht IHK NRW Bilanz zu den wichtigen Themenfelder, die im vergangenen wie im laufenden Jahr die Unternehmen in NRW beschäftigen. Dazu gehören Infrastruktur und Digitalisierung, aber auch Tourismus, Electronic Governement und Gesundheitswirtschaft. Auf allen Feldern gibt die IHK einen Überblick zum Sachstand, beschreibt die Problemlage und unterbreitet konkrete Handlungsvorschläge. Bei den meisten Themen geht es vornehmlich darum, die Investitionsbremse zu lösen: Ob Verkehr, Breitband oder Fläche – NRW muss seine Investitionsbasis stärken und gleichzeitig die Haushalte des Landes und seiner Kommunen sichern.

Die beiden größten Herausforderungen aus dem Jahr 2015 bleiben NRW auch über 2016 hinaus erhalten: die Flüchtlingskrise und die Wachstumsschwäche NRWs. Mit Blick auf die Integration der Flüchtlinge wird es eine entscheidende Aufgabe sein, die große Anzahl an jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren mit Bleibeperspektive erfolgreich in die Gesellschaft und damit auch in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren. Voraussetzung hierfür sind ausreichende Schulungs-, Orientierungs-, und (Sprach-)Förderangebote sowie eine landesweit koordinierte Vorgehensweise. „Voraussetzung für den Erfolg der Integration sind aber eine bessere Koordination der landesweiten Aktivitäten und eine Beschleunigung der bürokratischen Abläufe. Wir müssen wissen, wer sich wo aufhält. Hier muss die Landesregierung nun schnell einen Überblick schaffen.

Mit Blick auf die geringe Wachstumsdynamik in NRW fehlt eine Strategie, wie NRW wieder Anschluss an die Entwicklung im Bund erhalten kann. Aktuell sehen 47 Prozent der Unternehmen im Land die Politik als größtes Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung, so das Ergebnis die aktuellen Konjunkturumfragen der IHKs in NRW. Ein Grund für diese Besorgnisse sind immer wieder neue Hemmnisse, die den Unternehmen aus Brüssel, Berlin und auch aus Düsseldorf in den Weg gestellt werden. Gerade mit Blick auf das Land ist es die Vielzahl der Schrauben, vom Landeswassergesetz bis zum Unternehmensstrafrecht, die die Dynamik im Land behindern.

Zwar sei die aktuelle wirtschaftliche Lage im Lande gut. Die Unternehmen profitierten zum einen von einem stabilen Binnenkonsum, vor allem aber auch von den gesunkenen Preisen der wichtigsten Rohstoffe und Energieträger sowie dem günstigen Wechselkurs- und Zinsumfeld. 27 Prozent der befragten Unternehmen erwarteten eine bessere, 13 Prozent eine schlechtere Geschäftsentwicklung. Damit bleibt die positive konjunkturelle Grundtendenz erhalten, aber ein deutlicher Anstieg der Dynamik ist nicht in Sicht. Wir brauchen aber mehr Dynamik, um beim Thema Wirtschaftswachstum wieder Anschluss an Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern zu bekommen. Und das muss unser Anspruch sein, schließlich war dieses Land mit seinen Regionen über Jahrzehnte der wirtschaftliche Motor Deutschlands.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NordrheinWestfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.