IHK NRW legt Studie "Handel³ - Die dritte Dimension des Einzelhandels" vor

Mehr als 70 Prozent der Einzelhändler engagieren sich über ihre betriebliche Tätigkeit hinaus für ihren Einkaufsstandort. Diese soziale Verantwortung übernehmen sie nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie sich als Teil der Gemeinschaft vor Ort verstehen. Das ist ein Ergebnis der Pilotstudie „Handel³ - Die dritte Dimension des Einzelhandels“. IHK NRW, der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen, hatte diese Studie in Kooperation mit dem NRW-Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk beim Gutachterbüro Junker + Kruse in Auftrag gegeben. Ziel war es, einen Überblick über die Effekte des Einzelhandels für das Gemeinwohl zu erhalten.

„Der Einzelhandel ist wichtig für die Versorgung der Bevölkerung und gleichzeitig ist er ein bedeutender Wirtschaftsfaktor“, erklärt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK NRW. Dass der Handel dazu noch eine wichtige soziale Funktion übernehme und erheblich zum Gemeinwohl einer Stadt beitrage, sei den Wenigsten bewusst. „Die jetzt vorliegende Studie ermöglicht es erstmals, Aussagen über das soziale Engagement des Handels vor Ort zu treffen und daraus Handlungsempfehlungen für Einzelhändler, Politik und Verwaltung abzuleiten“, betont Heinz Schmidt, Präsident der IHK Mittlerer Niederrhein, die die Studie federführend betreut hat. „Der Einzelhandel ist Taktgeber und Motor unserer Zentren – und das nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive. Er bereichert unser Leben sozial, kulturell und gesellschaftlich. Das zeigt die Studie sehr eindrucksvoll“, so Wirtschaftsminister Garrelt Duin.

NRW-weit wurden in 16 unterschiedlich großen Modellstädten Einzelhändler schriftlich befragt. Außerdem gab es persönliche Interviews mit Händlern, Spenden- und Sponsoring-Empfängern vor Ort und mehr als 1.000 Verbraucherbefragungen.

Durchschnittlich wenden Einzelhändler laut Studie ein bis zwei Arbeitstage im Monat für die ehrenamtliche Tätigkeit auf – und das häufig fünf bis 20 Jahre lang. Daneben ist der Handel auch ein wichtiger Geldgeber im Ort. Über Spenden, Sponsoring und Sachleistungen beteiligt er sich an zahlreichen örtlichen Festen und Einrichtungen und unterstützt verschiedene Veranstaltungen. Jeder Einzelhändler investiert jährlich etwa 1.400 bis 1.900 Euro pro Jahr in diese Zwecke.

Die Studie trifft ebenfalls Aussagen darüber, wohin das Geld fließt: Größtenteils profitiert der Bereich „Kinder & Jugend“. Zudem wird in geringerem Umfang in die „Brauchtumspflege“ investiert. Im Sponsoring dominiert der Bereich „Sport & Freizeit“. „Nennenswerte Unterschiede zwischen den einzelnen Modellstädten gab es dabei nicht“, erklärt Schmidt. Allerdings zeige sich, dass die Höhe des finanziellen Engagements von der Größe der Stadt und damit von der Höhe der Umsätze abhänge.

Für karitative Einrichtungen sind Leistungen der Einzelhändler eine wichtige Finanzierungsquelle. Laut der Studie stammen gut 15 Prozent des Gesamtbudgets der befragten Einrichtungen vom örtlichen Handel. Viele Einrichtungen können auf diese Zuwendungen nicht verzichten.

Neben dem finanziellen Aspekt spielen die Einzelhändler eine weitere wichtige soziale Rolle. Die Mehrheit der Händler nimmt sich neben den Verkaufs- und Beratungsgesprächen Zeit für einen „Plausch an der Ladentheke“ mit dem Kunden. Dieser „Smalltalk“ nimmt gut ein Fünftel der Tagesarbeit eines Händlers ein.

Allerdings wird die soziale Bedeutung des Handels laut Studie von den Kunden kaum wahrgenommen. Nur weniger als einem Drittel der befragten Kunden war bewusst, dass sich der Einzelhändler nicht nur für sein Geschäft, sondern auch für seinen Ort einsetzt. „Deshalb muss es uns nicht wundern, dass die Wertigkeit des Handels in den politischen Diskussionen oft unterschätzt wird“, sagt Schmidt. „Umso wichtiger ist es uns, dass die Studie diese wichtigen Fakten zum Engagement des Handels liefert und zeigt, dass sich Städte und Gemeinden noch stärker für die Entwicklung des stationären Handels einsetzten sollten“, ergänzt Mittelstädt. „Der örtliche Handel ist wichtig für die Lebensqualität vor Ort, und mit jedem Leerstand geht ein Stück davon verloren.“

Die Basis der Untersuchung bilden Befragungen in folgenden 16 Modellstädten: Bochum, Krefeld, Wuppertal, Dinslaken, Gevelsberg, Herford, Unna, Warendorf, Brüggen, Halver, Lippetal, Much, Oerlinghausen, Overath, Salzkotten, Wettringen.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NordrheinWestfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.