IHK NRW informiert gemeinsam mit Arbeitsminister über Vielfalt an Ausbildungsberufen in NRW

• „Azubi-Tage“ werben in NRW für weniger bekannte Ausbildungsberufe • Zu hohe Fixierung auf wenige Berufsfelder und geringe interregionale Mobilität bei Jugendlichen • „Mobilitätshilfen für ländliche Räume erforderlich“

„Das Berufswahlverhalten der Jugendlichen muss endlich breiter werden“ - das forderte IHK NRW Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Mittelstädt auf dem gestrigen „Azubi-Tag“ mit Minister Schmeltzer in Gronau bei dem Hochpräzisionsfertiger Alfred Reimer GmbH. Die Initiative wirbt an mehreren Tagen und Orten für weniger bekannte oder gefragte Ausbildungsberufe, Arbeitsminister Rainer Schmeltzer schlüpft dafür für jeweils drei halbe Tage in den Blaumann oder unter die Kochmütze. Hintergrund der Aktion ist, dass immer noch zu viele Jugendliche ihren Ausbildungsweg aus dem Bauch heraus wählen, weil sie viele attraktive Berufe gar nicht kennen. „Hier sind aus unserer Sicht auch die Gymnasien zukünftig stärker in der Pflicht, die steigenden Studienabbrecherzahlen im Rahmen gezielter Berufsorientierungsangebote zu verringern und das Interesse an der dualen Ausbildung zu wecken“, so Ralf Mittelstädt. Der Beruf des Zerspanungsmechanikers, der bei der Alfred Reimer GmbH präsentiert wurde, biete eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten in metall- und kunststoffverarbeitenden Betrieben wie etwa im Maschinen- und Leichtmetallbau, in der Automobilindustrie, der Medizintechnik oder in der Luft- und Raumfahrttechnik. „Mit dieser Ausbildung erhalten Jugendliche eine Bandbreite an Karrierechancen. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die duale Ausbildung auch für Abiturabsolventen eine hervorragende Alternative zum Studium darstellt. Aber dies ist nur ein Beispiel von vielen spannenden Ausbildungsberufen“, so Ralf Mittelstädt.

Zu Beginn dieses Ausbildungsjahres bleiben erneut viele der angebotenen Lehrstellen unbesetzt. Unter den Top 10 der unbesetzten Ausbildungsstellen befinden sich Berufe wie Verkäufer, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Koch oder Restaurantfachmann. In vielen ländlichen Regionen, die generell ein Problem bei Nachwuchsgewinnung und viele unbesetzte Ausbildungsstellen haben, sind aber auch viele Plätze in der metallverarbeitenden Industrie schwer zu besetzen. „Um den sich hier abzeichnenden Fachkräftemangel zu vermeiden, müssen wir die interregionale Mobilität der Jugendlichen fördern“, sagte Ralf Mittelstädt. Denkbar wäre etwa ein kostenloses und verkehrsverbundübergreifendes Azubi-Ticket am Vorbild des Semestertickets für Studenten.

Aktuellen Zahlen zufolge sanken im Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammern in NRW die neu eingetragenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr (30. September) um 1,6 Prozent auf 68.327, obwohl die angebotenen Ausbildungsstellen in NRW um 2,8 Prozent auf 106.120 zunahmen. Die Gründe für diese Entwicklung sind neben einem eingeschränkten Berufswahlverhalten vieler Jugendlicher ein sinkendes Interesse an der dualen Ausbildung (immer mehr Jugendliche entscheiden sich für ein Studium) sowie eine mangelnde Mobilität: Viele Jugendliche sind nicht bereit, wegen einer Lehrstelle ihre Stadt oder ihren Kreis zu verlassen.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NordrheinWestfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.