IHK NRW Bildungskongress: Auch kleine Schritte führen zum Berufsabschluss

Höhere Berufsbildung und Teilqualifikationen als Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

  • Die Chancen gerade der Beruflichen Bildung sind zu wenig bekannt.
  • Arbeitsminister Karl-Josef Laumann will berufliche Qualifikation auch mit kleinen Schritten erreichbar machen.
  • „Wir müssen auch die zweite Chance als Startschuss sehen“.

Der wachsende Fachkräftemangel ist das mit Abstand größte Geschäftsrisiko für die NRW-Wirtschaft. Um Wege zu finden, dieser Gefahr Herr zu werden, folgten am Dienstag circa 300 Gäste der Einladung der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen (IHK NRW) zum landesweiten Bildungskongress unter dem Motto Wissen.Weiter.Bildung. Im Vordergrund der Diskussionen stand die Frage, wie insbesondere jungen Schulabgängern mit Hochschulreife die Chancen der Beruflichen Bildung nahe gebracht werden können und wie auch Erwachsenen ohne Berufsabschluss noch der Weg zu einer beruflichen Qualifikation geebnet werden kann.

IHK NRW-Präsident Thomas Meyer wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass es im Kampf gegen den Fachkräftemangel nicht mehr genüge, sich in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik auf einzelne Zielgruppen zu beschränken. Vielmehr sei ein ganzes Maßnahmenpaket notwendig, um verschiedene Personengruppen zu erreichen. „Es stellt sich nicht die Frage, ob wir mehr junge Menschen in Ausbildung bringen, die Erwerbsquoten von älteren Fachkräften erhöhen oder Menschen ohne Berufsabschluss nach-qualifizieren sollen. Wir sollten all dies gleichzeitig tun“, so Meyer.

Mit einem 7-Punkte-Plan will IHK NRW den Kampf um Fachkräfte aktivieren. Dazu gehört unter anderem, die Erwerbsquoten von Fachkräften zu erhöhen, die Fachkräftezuwanderung zu erleichtern und die Mobilität von Auszubildenden zu fördern. Der Kongress legte jedoch den Fokus darauf, die Höhere Berufsbildung als praxisorientierte Aufstiegs-möglichkeit sowie Teilqualifizierungen als zweite Chance für den Berufsabschluss zu fördern.

Zum Thema Teilqualifizierungen diskutierten Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Thomas Meyer, Roland Löffler, Bereichsleiter der Uniklinik Köln sowie Alexandra Benz und Hans-Peter Otten, die ihre zweite Chance genutzt hatten und über Teilqualifizierungen zum Berufsabschluss gekommen waren. Karl-Josef Laumann meinte: „Wir brauchen Fachkräfte, das ist nicht zu bestreiten. Wahr ist aber auch: Für manche Erwachsene erscheint der Weg zum Fachabschluss erst einmal zu lang. Für sie soll der Weg in Teilschritten möglich sein. Und hast Du einmal den ersten Schritt gemacht, dann rückt das Ziel schon näher! Ich will Mut machen und zwar so, dass das wichtige Ziel des Abschlusses für möglichst alle erreichbar bleibt. Deshalb bin ich für Teilqualifikationen. Es soll nicht nur den einen Weg über die Erstausbildung zu einem vollständigen Berufsabschluss geben.“

Die Höhere Berufsbildung war Thema einer zweiten Diskussion mit Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, sowie Björn Kosel, einem Betriebswirt und Thomas Müller, einem technischen Betriebswirt, die sich beruflich bis auf „Master-Niveau“ qualifiziert haben. Gerade diese beiden Beispiel machten deutlich, welche Chancen und Karrieremöglichkeiten die Berufliche Bildung bieten kann. Leider sei diese Vielfalt insbesondere bei Abiturienten noch viel zu wenig bekannt. Prof. Dr. Esser: „Für uns sind hochschulische und berufliche Bildung nicht hierarchisch geordnet, sondern gleichwertig. Das vergrößert den Raum für Kooperationen zwischen den Bildungs-bereichen. So sollten übergreifende Bildungsarrangements entstehen, in denen hochschulisches, theoriebasiertes Wissen sowie erfahrungsgeleitetes, berufspraktisches Lernen für neue Qualifikationen sorgen. Denn die brauchen wir bei der digitalen Transformation.“

Für einen runden Abschluss sorgte EU-Jugendbotschafter Ali Mahlodji. In seiner Key-Note brachte er die beiden Themen zusammen. Ali Mahlodji: „Wir brauchen ein Menschenbild, welches mit den Zufällen und Überraschungen der Gesellschaft umgehen kann. Das ist nur möglich, wenn wir zweite Chancen als Startschuss feiern und lebenslanges Lernen in den verschiedensten Ausbildungswegen parallel zueinander wertschätzen.“

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.