IHK NRW: Bei Rückkehr zu G9 droht Ausfall eines Abiturientenjahrgangs

Mit Sorge blickt IHK NRW auf die Diskussion zur eventuellen Abkehr von der achtjährigen Gymnasialzeit, G8. "Wir können das nicht nachvollziehen!" sagt Franz Roggemann, Geschäftsführer von IHK NRW. "G8 wurde mit guten Gründen eingeführt, deutsche Schulabgänger sind im internationalen Vergleich zu alt. Das hat sich nicht verändert." Zum neunjährigen Gymnasium zurückzukehren hätte aber gravierende Konsequenzen für die Fachkräftesicherung: Dem heimischen Arbeitsmarkt fehlte dann ein ganzer Abiturjahrgang in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts. Die Probleme gerade kleinerer und mittlerer Unternehmen, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen, würden nochmals verschärft. Dabei kann schon heute fast ein Fünftel der Unternehmen in NRW mangels geeigneter Bewerber nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Franz Roggemann von IHK NRW fordert deshalb die Bildungspolitiker auf, die Lehrpläne zu überprüfen, anstatt die Gymnasialzeit wieder auf neun Jahre auszudehnen. "G8 ist nicht schlecht, sondern nur schlecht gemacht!" sagt Roggemann. Die ostdeutschen Bundesländer machten es vor, dass ein Abitur in acht Jahren sehr gut funktioniere, so der für Bildungsfragen zuständige Geschäftsführer von IHK NRW. Wie wichtig die Versorgung der heimischen Wirtschaft mit geeigneten Bewerbern für Ausbildungsplätze und mit beruflich qualifizierten Fachkräften ist, zeigt der IHK-Fachkräftemonitor: Wenn nicht gegengesteuert wird, prognostiziert dieser ohnehin einen großen Fachkräftemangel in NRW. Im Jahr 2020 fehlen danach 360 000 Fachkräfte, davon 330 000 mit beruflicher Qualifikation. "Eine Rückkehr zu G9 erschwerte also ohne Not die Fachkräftesicherung für die Unternehmen zusätzlich!" so Franz Roggemann, IHK NRW.