IHK-Fachkräftereport 2015: Sorge um fehlende Fachkräfte verstärkt sich

Trotz zahlreicher Bemühungen der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen Fachkräfte zu gewinnen, steigen die Sorgen insbesondere des Mittelstandes, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Das ist die zentrale Erkenntnis des Fachkräftereports 2015 von IHK NRW, der heute veröffentlicht wird. So beurteilen mittlerweile 36 Prozent der rund 4.000 befragten Unternehmen Fachkräftemangel als „Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung“ und damit fünf Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. „Die Folgen der demographischen Entwicklung beginnen sich immer stärker auszuwirken“, sagt Ralf Kersting, Präsident von IHK NRW. „Aktive Bemühungen zur frühzeitigen Gewinnung von Nachwuchsfachkräften wie unter anderem auch von Flüchtlingen, sind daher von großer Bedeutung für unsere Unternehmen.“

Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind dabei wie in den vergangenen Jahren, je nach Branche und Region sehr unterschiedlich. Während etwa Unternehmen aus der chemischen Industrie, der Metallverarbeitung oder der Elektrotechnik nur zu einem geringen Teil den Fachkräftemangel als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen, sind es in den Branchen Gesundheitswirtschaft, Bau sowie Hotel- und Gastgewerbe jeweils mehr als 50 Prozent. Besonders in diesen Branchen stieg die Besorgnis deutlich an, allein im Baugewerbe sehen mittlerweile 56 Prozent der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als Bedrohung nach 45 Prozent im Jahr zuvor. Noch einmal schwerer haben es die Betriebe, die außerhalb der Ballungsgebiete angesiedelt sind, gerade in ländlichen Regionen ist es besonders schwer, Fachkräfte anzuwerben.

Viele Unternehmen haben bereits kurzfristig auf Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen reagiert und ihre Bemühungen etwa im Ausbildungsmarketing verstärkt. So standen im Jahr 2015 rund 2.300 mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung als im Jahr 2014. Die Anzahl an abgeschlossenen Ausbildungsverträgen blieb mit knapp 70.400 jedoch in etwa gleich; 6.028 Lehrstellen waren Ende September 2015 noch unbesetzt. Rund ein Viertel der befragten Unternehmen intensivierten darüber hinaus die betriebliche Weiterbildung und das Wissensmanagement, um den Verlust an Erfahrungswissen auszugleichen, wenn ältere Mitarbeiter in den Ruhestand wechseln.

Verstärkt werden die Auswirkungen der demographischen Entwicklung durch den ungebrochenen Trend zur Akademisierung. Seit dem Jahr 2013 übersteigt bundesweit die Anzahl der Neu-Studierenden die der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse. Die IHKs in NRW werden künftig ihre Anstrengungen verstärken, um den Jugendlichen und auch ihren Eltern die Vorzüge einer dualen Ausbildung aufzuzeigen. Dass für viele Jugendliche der Weg an die Hochschule falsch war, zeigt die stetig steigende Zahl der Studienabbrecher.

Angesichts dieser Entwicklung fällt der Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt eine große Bedeutung zu. Die Bereitschaft der Wirtschaft, Flüchtlinge in den Unternehmen aufzunehmen und sich zu engagieren, ist unverändert hoch, wie viele Praxisbeispiele und Umfragen belegen. Rund 90 Prozent der bundesweit befragten IHKUnternehmen beurteilen ihre Erfahrungen bei der Integration von mittel und höher Qualifizierten ausländischen Beschäftigten als „gelungen“ (50 Prozent) oder als „in aller Regel gelungen“ (39 Prozent). Dabei wird allerdings auch immer deutlicher, dass neben einigen gut ausgebildeten Menschen die überwiegende Zahl der Flüchtlinge nur über geringe bis gar keine unmittelbar verwertbaren Qualifikationen verfügt. Zudem befindet sich ein nicht unerheblicher Anteil von Analphabeten unter ihnen. Es wird also Zeit brauchen, bis die ersten Schritte in Richtung sozialer und beruflicher Integration getan sind.

„Erste Maßnahmen für junge Flüchtlinge zeigen, dass bei den meisten ein fester Wille und die Bereitschaft vorhanden sind, in der neuen Heimat schnell beruflich Tritt zu fassen und sich zu integrieren“, so IHK NRW-Präsident Kersting. „Der Zustrom von Flüchtlingen in unser Land bietet daher eine große Chance für den Fachkräftenachwuchs und zwar gerade in den Branchen und Regionen, die bereits Probleme haben, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu bekommen.“

Der Fachkräftereport ist ab sofort in gedruckter Form über die Kammern oder IHK NRW erhältlich und ist zudem auf der Internetseite von IHK NRW abrufbar.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NordrheinWestfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen