Exportmotor brummt weiter: Nordrhein-Westfalen trotzt den weltweiten Krisen

War 2014 ein Krisen- oder Erfolgsjahr? Global betrachtet wurden die Medien vor allem von negativen Themen, wie die ISIS, Ebola, Boko Haram und dem kriegerischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beherrscht. Doch aus Sicht der nordrheinwestfälischen Exporteure war auch 2014 wieder ein Erfolgsjahr: Mit einem Gesamtumsatz von über 180 Milliarden Euro stieg das Exportvolumen NRWs ein weiteres Mal an und trug wesentlich zur positiven Entwicklung der Unternehmen in NordrheinWestfalen bei. „Die Unternehmen aus NRW sind sehr flexibel in ihren außenwirtschaftlichen Aktivitäten. Massive Umsatzeinbrüche im Zuge des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine konnten durch florierende Geschäfte in den USA, dem asiatischen Raum, aber auch der EU mehr als ausgeglichen werden“, so Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK NRW bei der Vorstellung des Reports.

Was erwartet uns 2015? – Nordamerika im Fokus: Wirtschaft fordert TTIP Mit Blick in die Zukunft erwarten auch für 2015 25 Prozent der Unternehmen aus NRW steigende Exportumsätze. 15 Prozent gehen von geringeren Umsätzen aus. Die mit Abstand besten Aussichten liegen aus Sicht der Unternehmen in Nordamerika – über 41 Prozent erwarten hier in 2015 bessere Geschäfte. Getrieben wird diese Entwicklung von der positiven konjunkturellen Entwicklung der USA, durch die geplante Investitionen und durchgeführte Exporte aus NRW neue Höchstwerte erreichen. „Die USA sind zwar bereits der wichtigste Exportmarkt NRWs außerhalb der EU, doch gerade kleine und mittlere Unternehmen tun sich beim Handel mit den USA noch schwer. Unterschiedliche Standards, Normen und Zertifizierungen führen zu hohen unnötigen Kosten beim Markteinstieg. Dies ist auch der Grund dafür, warum sich im letzten Jahr 62 Prozent der Unternehmen aus NRW generell für ein TTIP-Abkommen ausgesprochen haben und auch in diesem Jahr 85 Prozent die gegenseitige Anerkennung solcher Standards, Normen und Zertifizierungen fordern“, betonte Wulf-Christian Ehrich, Geschäftsführer International der IHK zu Dortmund und NRW-Federführer Außenwirtschaft, in diesem Zusammenhang.

Sorgenkind Russland: Auch schon vor dem Konflikt Ein völlig gegensätzliches Bild zeigt sich bei den außenwirtschaftlichen Aktivitäten NRWs mit Russland. Um ganze 1,1 Milliarden Euro sind die Exporte alleine im Jahr 2014 zurückgegangen. Auch die Investitionsabsichten der Unternehmen sind stark rückläufig. Nur noch knapp 15 Prozent wollen 2015 in Russland und den angrenzenden Ländern Investitionen tätigen, im Jahr davor waren es noch fast 22 Prozent. Dementsprechend negativ betrachten die nordrhein-westfälischen Unternehmen auch die Geschäftsaussichten für das laufende Jahr: Über 55 Prozent erwarten, dass es 2015 weiter bergab geht. Zurückzuführen ist diese Entwicklung teilweise auf den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, im Zuge dessen Sanktionen der EU und die unsichere politische Lage im Allgemeinen die Geschäfte mit Russland behindert haben. Doch die Probleme begannen bereits vor dem Ausbruch der politischen Krise. Nach Ansicht der in Russland aktiven deutschen Unternehmen führen mangelnde Strukturreformen und die fehlende Diversifizierung der Wirtschaft schon lange dazu, dass die vor Jahren noch gelobte russische Wirtschaft kaum wächst. Damit einher geht auch die stetige Abwertung des Rubels, die ebenfalls bereits 2012 begann. Und auch der Verfall des Ölpreises, der sich in den letzten zwei Jahren teilweise halbiert hatte, bringt die vom Ölexport stark abhängige russische Wirtschaft in große Bedrängnis.

EU ist Abnehmer Nummer eins Die wesentliche Bedeutung der Europäischen Union als Zielmarkt nordrheinwestfälischer Exporte hat auch 2014 weiter zugenommen. Waren im Wert von über 116 Milliarden Euro wurden in die EU exportiert, dies entspricht fast 65 Prozent der gesamten Exporte NRWs und einer Steigerung von rund vier Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Acht der zehn wichtigsten Exportmärkte NRWs liegen in der EU. Deutschlands direkte Nachbarn Niederlande und Frankreich sind mit 19,4 und 16 Milliarden Euro Volumen die mit Abstand wichtigsten Zielmärkte. Interessant ist, dass die Exporte nach Spanien im letzten Jahr um 8,6 Prozent gewachsen sind und Spanien damit die Schweiz aus den Top 10 verdrängt hat. Ebenfalls beeindruckend ist das Wachstum des Exportvolumens in Richtung Polen, das auch bei über acht Prozent lag. Hier zeigt sich die zunehmende Bedeutung der MOE-Staaten für die nordrheinwestfälische Wirtschaft.

So viele Auslandsinvestitionen wie noch nie / Kostendruck nimmt zu Mit fast 40 Prozent haben noch nie so viele Unternehmen aus NRW generell Investitionen im Ausland geplant, wie im Jahr 2015. Das wichtigste Motiv für Auslandsinvestitionen ist mit 55 Prozent der Vertrieb bzw. Kundendienst im Ausland. Bedenklich ist die Entwicklung des Investitionsmotivs, mit der Produktion im Ausland eine Kostenersparnis erzielen zu wollen. Dieses steigt seit Jahren an und wird in diesem Jahr von 20 Prozent der Unternehmen als ihr Hauptgrund genannt. Zwar stärkt der Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten im Ausland grundsätzlich den Standort NordrheinWestfalen. Sollte das Argument der Kostenersparnis in Zukunft jedoch weiter zunehmen, könnte dies auch negative Auswirkungen auf die nordrhein-westfälische Wirtschaft haben. Die Politik sollte darauf bedacht sein, die Standortattraktivität NRWs für Unternehmen hoch zu halten und diese nicht mit weiteren Abgaben, hohen Energiekosten oder sonstigen wettbewerbs-beeinträchtigenden Vorschriften zu belasten.

Die IHKs als Partner im internationalen Geschäft In den Fachabteilungen der IHKs in NRW unterstützen mehr als 150 Mitarbeiter ihre Mitgliedsunternehmen beim Erfolg im Auslandsgeschäft. Zu den Angeboten gehören die Ausstellung von Außenwirtschaftsdokumenten, die individuelle Beratung zu Ländern und Märkten sowie zum Zoll und Außenwirtschaftsrecht und die Organisation einer Vielzahl von Veranstaltungen und Unternehmerreisen. Über 450.000 Ursprungszeugnisse oder sonstige außenwirtschaftliche Bescheinigungen wurden alleine durch die IHKs in NRW im Jahr 2014 ausgestellt. Rund 110.000 individuelle Beratungen haben die IHKs zum Thema Außenwirtschaft durchgeführt und mehr als 19.000 Besucher informierten sich bei 629 Fach- und Länderveranstaltungen. Darüber hinaus gab es 18 Unternehmerreisen mit 284 Teilnehmern.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.